Krankmeldung wird erschwert: Worauf du als Arbeitnehmer jetzt achten musst
Shownotes
Die wichtigsten Themen der Episode:
Geplante Neuerungen: Warum die telefonische Krankmeldung voraussichtlich abgeschafft wird und die Attestpflicht ab dem ersten Tag kommen soll
Anzeige vs. Nachweis: Warum du dich in jedem Fall sofort vor Arbeitsbeginn melden musst, auch wenn das ärztliche Zeugnis erst später fällig ist.
Die elektronische Krankschreibung (eAU): Wie der digitale Prozess abläuft und wann du trotzdem noch einen Papierschein brauchst (z. B. bei Krankheit im Ausland oder als Privatpatient).
Sonderfälle: Was genau passiert, wenn du während deines Urlaubs oder in der Kündigungsfrist krank wirst
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00:00:08: Willkommen zu einer neuen Ausgabe des Karrieremagazin-Podcasts auf stellenmarkt.de.
00:00:14: Du kennst das bestimmt, du wachst morgens auf der Hals kratzt als hättest du Rasierklingen geschluckt?
00:00:19: Der Kopf dröhnt und du weißt eigentlich sofort heute geht absolut gar nichts!
00:00:24: Ja, der klassische Morgen an dem man sich einfach nur wieder umdrehen will
00:00:28: Genau, du willst ja einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und dich auskurieren Aber statt dessen... Und das ist das Verrückte Schießt dir das Adrenalin ein.
00:00:37: Im Kopf beginnt direkt so einen bürokratischer Spielroutenlauf!
00:00:43: Richtig, und was passiert eigentlich mit meinem Gehalt?
00:00:46: Bevor du jetzt aus Panik Fehler machst die dich am Ende bares Geld oder im schlimmsten Fall sogar den Job kosten können müssen wir uns das heute mal in einer ganz gründlichen Analyse ansehen.
00:00:58: Das
00:00:58: ist auch wahnsinnig wichtig gerade Absolut.
00:01:00: Denn hinter den Kulissen wird politisch genau in diesem Moment an Plänen geschraubt, die diese morgenliche Panik von der wir sprechen noch viel schlimmer machen könnten!
00:01:10: Also lass uns das mal aufdröseln – was genau passiert da gerade?
00:01:14: Da sprichst du direkt diesen massiven politischen Druck an, der sich gerade aufbaut….
00:01:19: also wenn wir uns die Beschlüsse des Koalitionsausschusses ….
00:01:21: Das war von Union und SPD am zweiten Juli-Zw.A.S.E.
00:01:27: Dann liegt da ein Papier auf dem Tisch dass die Krankmeldung fundamental verändern soll.
00:01:32: Okay, fundamental heißt in dem Fall in welche Richtung?
00:01:35: Das
00:01:35: Ziel ist ganz eindeutig – eine drastische Verschärfung der aktuellen Regeln!
00:01:40: Das System wie wir es in den letzten Jahren kennengelernt haben, soll deutlich restriktiver werden.
00:01:46: Verscherfungen klingt jetzt erstmal ziemlich abstrakt.
00:01:49: Was genau steht in diesem Papier?
00:01:51: Welche Hürden sollen da aufgebaut werden wenn ich einfach nur sagen wir mal mit Fieber im Bett liege?
00:01:56: Konkret geht's um drei zentrale Säulen.
00:01:59: Erstens steht da die komplette Abschaffung der telefonischen Krankschreibung im Raum.
00:02:04: Wow, komplett weg!
00:02:06: Komplett weg.
00:02:07: und zweitens das ist für viele echt der größte Einschnitt soll die Vorlage eines ärztlichen Attests zwingend und flächendeckend ab dem allerersten Krankheitstag zu gesetzlichen Pflicht werden.
00:02:19: Ab
00:02:19: Tag eins – Für jeden?
00:02:21: Krass!
00:02:22: Genau.
00:02:23: Für jeden.
00:02:24: Und drittens plant die Koalition deutlich härtere Strafen für Ärzte, wenn es um das Ausstellen von vermeintlich unrichtigen Attesten geht.
00:02:32: Also
00:02:32: das ist schon ein ziemlich langmal!
00:02:34: Gerade diese telefonische Krankschreibung war doch für viele in den letzten Jahren ein echter Segen.
00:02:39: Absolut ja.
00:02:40: Einfach, um sich bei einem total simplen Infekt nicht in eine völlig überfüllte Bahn setzen zu müssen... Da drängt sich mir schon die Frage auf, wie man so einen harten Schnitt politisch überhaupt argumentiert.
00:02:50: Wer profitiert denn davon?
00:02:52: Um diese Dynamik zu verstehen wissen wir uns die Argumente beider Seiten wirklich völlig wertfrei ansehen.
00:02:58: Die Befürworter dieser Pläne – also allen voran Bundeskanzler Merz – argumentieren rein wirtschaftlich.
00:03:04: Also geht es ums Geld?
00:03:06: Im Grunde ja!
00:03:07: Die Begründung lautet halt «die Krankenstände in der deutschen Wirtschaft sind in den letzten Jahren enorm gestiegen».
00:03:13: Und diese hohen Zahlen stellen eine immense finanzielle und auch organisatorische Belastung für die Unternehmen dar.
00:03:19: Das leuchtet aus Unternehmenssicht natürlich ein!
00:03:21: Genau, und aus dieser Perspektive heraus wird dann geschlussfolgert dass die Hürden für eine Krankschreibung schlichtweg zu niedrig sind.
00:03:29: Sie müssen wieder erhöht werden um die Wirtschaft zu entlasten.
00:03:32: Aber ich kann mir irgendwie kaum vorstellen das die Ärzteschaft da Hurra schreit Wenn plötzlich Millionen Menschen mit einem harmlosen Schnupfen wieder physisch bei denen in den Praxen aufschlagen.
00:03:43: Völlig richtig, von dort kommt massiver Gegenwind!
00:03:46: Die Landesärztekammer Baden-Württemberg warnt beispielsweise extrem lautstark vor den gesundheitlichen Konsequenzen...
00:03:52: ...weil die Wartezimmer dann wieder platzen?
00:03:54: Ja
00:03:55: und wenn jeder wieder ins Wartezimmer muss entstehen dort unzählige vermeidbare Infektionen.
00:04:00: Die Praxens sind ohnehin völlig am Limit Und ein banale Infekt braucht einfach keine aufwendige Diagnostik vor Ort.
00:04:07: Das stimmt ja!
00:04:08: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schließt sich dem auch an und macht noch einen ganz anderen Punkt auf.
00:04:13: Es gibt laut ihren Daten überhaupt keinen statistischen Beleg dafür, dass die Telefonkrankschreibung flächendeckend missbraucht wird.
00:04:20: Interessant Und was sagt die Arbeitnehmerseite dazu?
00:04:23: Wenn wir da auf den DGB schauen, also den Deutschen Gewerkschaftsbund der befürchtet ganz pragmatisch dass dieser Druck dazu führt das sich Menschen krank zur Arbeit schleppen.
00:04:32: Weil der Weg zum Arzt am ersten Tag zu anstrengend ist.
00:04:35: Exakt weil Ihnen dieser bürokratische Weg körperlich am allerersten tag einfach zu viel ist.
00:04:41: Das ist wirklich eine extrem hitzige Debatte, bei der offensichtlich komplett unterschiedliche Welten aufeinander prallen.
00:04:47: Aber was bedeutet das alles jetzt ganz konkret für mich?
00:04:51: Also wenn ich morgen früh krank aufwache gelten diese ganzen strengen Regeln also Attestabtag eins für alle und keine Telefonkrankschreibung mehr, gelten die heute schon?
00:05:01: Nein!
00:05:02: Beschlossen wurde politisch vieles aber solange kein neues Gesetz durch den Bundestag verabschiedet ist und formal in Kraft tritt gilt exakt die bisherige Rechtslage.
00:05:11: Okay, da bin ich jetzt erstmal beruhigt.
00:05:13: Ja, regulär bedeutet das... Das Attest ist erst ab dem vierten Tag fällig und die telefonische Krankschreibung ist grundsätzlich noch möglich Aber man darf sich auf gar keinen Fall entspannt zurücklehnen.
00:05:25: Warum?
00:05:26: Die alte Lage ist doch scheinbar entspannter
00:05:29: Weil schon nach der aktuell geltenden Rechtslage wahnsinnig viele Arbeitnehmer fatale Fehler machen, die sie echt den Job kosten können.
00:05:37: Und es liegt meistens daran dass ein elementarer rechtlicher Unterschied nicht verstanden wird.
00:05:43: Welcher Unterschied?
00:05:44: Es
00:05:44: gibt zwei völlig unterschiedliche Pflichten, sobald du krank wirst!
00:05:48: Okay, lass mich mal überlegen... In Grunde funktioniert das doch eigentlich wie beim Brandschutz in einem großen Gebäude
00:05:55: oder?!
00:05:55: Wie meinst Du das?
00:05:56: Naja die erste Pflicht, die sogenannte Anzeige.
00:06:00: Das ist wieder Feueralarm.
00:06:02: Den drück ich sofort, so bald ich den ersten Rauch sehe Also noch bevor meine Schicht überhaupt beginnt.
00:06:07: Schöner Vergleich ja
00:06:08: Und das gilt doch völlig unabhängig davon, ob es nur in einem kleinen Papierkorb brennt oder ob schon das halbe Stockwerk in Flammen steht.
00:06:17: Und die zweite Flecht – der Nachweis also das ärztliche Attest?
00:06:21: Das ist dann erst der offizielle und detaillierte Bericht der Feuerwehr, der den Brand quasi bestätigt!
00:06:27: Und dieser Bericht wird im Regelfall erst später fällig…also meistens ab dem vierten Tag.
00:06:32: Passt das
00:06:32: so?!
00:06:33: Exakt so ist es im Gesetz verankert, die Anzeige muss laut Arbeitsrecht unverzüglich erfolgen.
00:06:41: Unverzüglich!
00:06:42: Das klingt nach Juristendeutsch.
00:06:44: Ist das auch?
00:06:45: Juristisch bedeutet das ohne schuldhaftes Zögern Du musst deinem Arbeitgeber zwingend vor deiner regulären Arbeitsbeginn am ersten Tag mitteilen Ich bin krank und ich falle voraussichtlich so und solange aus.
00:06:56: Und das gilt immer?
00:06:58: Diese Meldepflecht gilt wirklich immer Auch dann, wenn du wegen einer zweitägigen Erkältung rechtlich gesehen noch gar kein ärztliches Attest vorlegen musst.
00:07:06: Okay – aber das Gesetz sagt ja auch die Form dieser Anzeige ist im Grunde frei!
00:07:11: Ich könnte also einfach anrufen eine E-Mail schreibende SMS schicken oder keine Ahnung so ein betriebsinternes HR-Portal nutzen.
00:07:18: Richtig, die Form ist frei
00:07:20: Aber wenn ich jetzt morgens völlig geredert bin und wirklich nur ganz kurz beim Chef anrufe, habe ich dann nicht ein massives Problem, falls der später behauptet, ich hätte mich nie gemeldet?
00:07:30: Da steht doch Aussage gegen Aussage.
00:07:32: Und ich hab gar keinen Beweis!
00:07:34: Es ist der absolute Klassiker unter den Fallstricken im Arbeitsrecht – wirklich.
00:07:39: Eine reiner Telefonanruf ohne Zeugen bringt dich in eine extrem schwache Position, wenn es mal hart auf hart kommt.
00:07:46: Also was sollte ich stattdessen tun?
00:07:47: Der sicherste Rat für die Praxis ist immer die doppelte Absicherung.
00:07:51: Du rufst kurz in der Firma an, einfach damit die Kollegen sofort Bescheid wissen und für den Tag planen können.
00:07:56: Vergegen
00:07:57: über dem Team?
00:07:58: Genau!
00:07:59: Und direkt im Anschluss schickst du eine ganz kurze E-Mail hinterher.
00:08:02: So hast du einen digitalen Zeitstempel auf dem Server deines Arbeitgebers.
00:08:07: Ah, klug!
00:08:08: Wer diese Meldung nämlich verschludert etwa weil er nach dem Aufwachen denkt äh ich rufe da heute Mittag mal an... ...der riskiert eine sofortige Abmahnung.
00:08:16: Und wenn sich das wiederholt, ist das ein astreiner Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung.
00:08:21: Ernsthaft?
00:08:22: Wegen
00:08:23: sowas?!
00:08:23: Ja!
00:08:24: Und zwar völlig unabhängig davon wie krank die Person an dem Tag tatsächlich war – es geht rein um die Meldepflicht.
00:08:31: Also Feueralarm sofort drücken und zwingend digital protokollieren Verstanden?
00:08:36: Das bringt uns dann aber zu diesem offiziellen Bericht der Feuerwehr also dem Nachweis.
00:08:42: Wir haben ja eben festgehalten dass das Attest regulär erst am vierten Tag fällig ist?
00:08:46: Im Regelfall, ja.
00:08:47: Trotzdem hält sich in Büros extrem hartnäckig dieses Gerücht dass der Chef das Attest jederzeit schon am ersten Tag verlangen kann wenn ihm irgendwie danach
00:08:55: ist?
00:08:56: Tja...das is absolut kein Gerücht!
00:08:58: Das ist geltendes Richt!
00:09:00: Bitte
00:09:00: was?!
00:09:01: Ja!
00:09:01: Dein Arbeitgeber darf das ärztliche Attest schon heute also nach aktueller Gesetzeslager ab dem allerersten Krankheitstag von dir verlangen.
00:09:10: Einfach so?
00:09:10: Einfach SO.
00:09:12: Das Entscheidende dabei ist, er braucht dafür nicht einmal einen konkreten Verdacht das du blau machst.
00:09:17: Er muss seine Entscheidung dir gegenüber mit keinem Wort begründen.
00:09:20: Wahnsinn!
00:09:21: Und es muss auch nicht als spezielle Klausel in deinem Arbeitsvertrag stehen – diese Befugnis fällt schlicht und ergreifen unter sein allgemeines Weisungsrecht.
00:09:29: Warte mal…das heißt …er kann das einfach so aus einer Laune heraus?
00:09:33: Aus dem absoluten Nichts heraus
00:09:35: entscheiden?!
00:09:36: Da muss es doch irgendwelche arbeitsrechtlichen Grenzen geben.
00:09:38: Es
00:09:38: gibt zwei wesentliche Grenzen, aber die sind in der Praxis echt schwer zu greifen.
00:09:43: Welche sind das?
00:09:43: Zum einen darf der Arbeitgeber nichts verlangen was dir objektiv unmöglich ist.
00:09:48: also wenn du beispielsweise an einem gesetzlichen Feiertag krank wirst und wirklich alle Arztpraxen im Umkreis von fünfzig Kilometern geschlossen haben dann kann er kein Attest für exakt diesen Tag erzwingen.
00:09:59: okay
00:09:59: dass macht Sinn.
00:10:02: Die zweite Grenze ist die reine Schikane.
00:10:06: Wenn eindeutig nachweisbar ist, dass er dir diese Pflicht nur auferlegt um dich persönlich zu quälen sagen wir weil du am Tag vorher eine Gehaltserhöhung gefordert hast dann ist das unzulässig.
00:10:19: Aber das muss man erstmal beweisen können.
00:10:21: Genau!
00:10:21: Das ist das Problem.
00:10:23: Dem Beweis dafür vor einem Arbeitsgericht zu führen ist extrem schwer.
00:10:27: Okay, aber was ist wenn der Chef das jetzt nicht nur bei mir macht?
00:10:31: Angenommen er hat schlechte Laune und verkündet plötzlich ab morgen bringen alle in der gesamten Vertriebsabteilung das Attestabtag eins!
00:10:38: Dann betrifft es ja nicht mehr nur mich als Individuum.
00:10:41: Und genau in dem Moment schnappt ein ganz wichtiger Schutzmechanismus zu
00:10:45: Nämlich
00:10:46: Der Betriebsrat.
00:10:47: richtet sich diese Anordnung an dich ganze?
00:10:49: allein Ist sie bindend weitet der Arbeitgeber das aber auf eine Gruppe, ein Abteilung oder eben die gesamte Belegschaft aus.
00:10:57: Dann greift zwingend die Mitbestimmungspflicht des Betriebsrats.
00:11:01: Ah!
00:11:02: Okay?
00:11:03: Eine solche pauschale Anordnung betrifft das sogenannte Ordnungsverhalten im Betrieb.
00:11:08: Wenn der Chef es also einfach anordnet ohne dass es vorher eine Einigung oder eine Betriebvereinbarung gibt dann ist die Anordnung schlichtweg unwirksam.
00:11:16: Das ist gut zu wissen.
00:11:18: Wer also so eine pauschale Aufforderung bekommt, sollte im allerersten Schritt immer den Betriebsrat oder die zuständige Gewerkschaft informieren.
00:11:25: Das ist wirklich ein enorm wichtiger Hebel für die Belegschaft!
00:11:29: Wobei man hier natürlich sagen muss, sollte dieses Gesetz der Koalition von dem wir ganz Anfangs sprachen wirklich durchkommen und das Tag eins Attest für alle gesetzlich verpflichtend machen?
00:11:40: Dann ist dieser Hebel ja weg,
00:11:41: oder?!
00:11:42: Richtig – dann hat der Betriebesrat da nichts mehr mit zu bestimmen.
00:11:45: Krass….
00:11:47: Ein ganz anderes Thema in dem Zusammenhang ist ja das Attest an sich.
00:11:51: Wir leben inzwischen im digitalen Zeitalter, den klassischen gelben Schein, den man früher in Zick-Ausfertigungen per Post verschickt hat – den gibt es heute fast nicht mehr.
00:12:00: Seit Januar zwölf das alles über diese EU also die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.
00:12:08: So ist es!
00:12:09: Dieses Verfahren ist mittlerweile für fast alle Arbeitgeber und gesetzlich Versicherten verbindlich.
00:12:14: Wie läuft das eigentlich ab?
00:12:16: Die Mechanik dahinter ist eigentlich recht simpel.
00:12:19: Du gehst zum Arzt, die Praxis schickt die Daten dann digital über eine sichere Infrastruktur direkt an deine Krankenkasse und dein Arbeitgeber ist dann in der Hohlschuld.
00:12:28: Das heißt er muss sich aktiv darum kümmern?
00:12:30: Genau!
00:12:31: Er muss diese Daten aktiv bei der Krankenklasse abrufen.
00:12:34: Ganz wichtig dabei für den Datenschutz – er ruft nur Verwaltungsinformationen ab.
00:12:39: Was sieht der Chef denn genau?
00:12:41: Er sieht deinen Namen, den Beginn der Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer.
00:12:46: Unter Umständen wird noch übermittelt, ob es sich um die Folgen eines Arbeitsunfalls handelt.
00:12:50: Aber die ärztliche Diagnose – also der medizinische ICD-Code – wird dem Arbeitgeber niemals übermittlet.
00:12:56: Er weiß also nicht was mir fehlt!
00:12:58: Richtig... Du bist niemandem im Betrieb Rechenschaft darüber schuldig, ob du eine Grippe hast oder wegen eines Burnouts ausfällst.
00:13:04: Weißt du was?
00:13:04: Da fällt mir gerade etwas ein, was diese ganze politische Diskussion von vorhin in ein völlig neues Licht rückt.
00:13:10: Hier wird's wirklich interessant
00:13:12: Inwiefern...?
00:13:14: Na, wenn wir uns mal überlegen wie sich unser eigenes Verhalten durch diese Digitalisierung verändert hat.
00:13:20: Dann haben wir hier doch einen massiven Boomerang-Effekt!
00:13:23: Wie meinst du das?
00:13:24: Denk mal an die Zeit vor der EU.
00:13:27: Wenn man früher für ein oder zwei Tage mit Kopfschmerzen zu Hause blieb und der Chef kolanterweise erst ab Tag drei ein Attest jollte... dann hat man doch oft gar keins geholt.
00:13:37: Und selbst wenn man beim Arzt war, war es wahnsinnig vielen Leuten schlicht zu blöd diesen einen gelben Zettel für die Krankenkasse auszufüllen eine Briefmarke zu suchen und ihn zum Briefkasten zutragen.
00:13:47: Ja das lag dann wochenlang auf dem Küchentisch?
00:13:50: Eben!
00:13:50: Die Krankenklasse wusste von unzähligen Kurzerkrankungen also überhaupt nichts... ...und heute geht das alles voll automatisch.
00:13:59: Der Arzt drückt auf Enter und der Fall liegt in der Datenbank der Krankenkasse.
00:14:03: Das stimmt ja!
00:14:04: Das bedeutet doch, dass die Krankenstatistiken der Kassen heute viel lückenloser sind als noch vor ein paar Jahren?
00:14:11: Auf dem Papier sieht das jetzt natürlich so aus, als wären die Krankenstände plötzlich förmlich explodiert – dieser rein technische Effekt der lückenlosen Datenerfassung befeuert doch jetzt zu hundert Prozent diese politische Debatte über angeblich zu viele Kranke mit der Herr Merz diese Verschärfungen begründet.
00:14:28: Genau das ist das Paradoxe an dieser ganzen Entwicklung, die Transparenz und die lückenlose Erfassung, die uns die Digitalisierung ja eigentlich bringen sollte hat zu einer total statistischen Verzerrung nach oben geführt.
00:14:40: Wahnsinn!
00:14:41: Plötzlich werden Millionen von ein- und zweitageserkrankungen sichtbar, die vorher in so einem analogen Rauschen untergegangen sind.
00:14:50: und diese jetzt sichtbar gewordenen Zahlen werden politisch als Argument genutzt, um das System restriktiver zu machen.
00:14:57: Und in den Firmen merkt man das auch?
00:14:58: Natürlich!
00:14:59: In den Personalabteilungen schlagen diese gehäuften Kurzerkrankungen jetzt viel systematischer im System auf.
00:15:05: Das verstärkt gefühlt den Eindruck dass die Leute öfter krank sind
00:15:09: Obwohl sie es vielleicht gar nicht sind.
00:15:11: Es wird nur besser dokumentiert?
00:15:12: Exakt.
00:15:13: Dabei dürfen wir aber auch nicht übersehen, dass dieses digitale System gar nicht für alle gilt.
00:15:18: Es gibt handfeste Ausnahmen, bei denen der gute alte Papierausdruck nach wie vor absolute Pflicht bleibt.
00:15:24: Echt?
00:15:24: Wo greift diese digitale Automatisierung denn noch nicht?
00:15:27: Wer muss heute noch Zettel durch die Gegend tragen?
00:15:29: Vor allem Privatpatienten!
00:15:31: Ah okay... Wenn du privat krankenversichert bist, nimmst du nach wie vord den Ausdruck aus der Praxis mit und reist ihn selbst bei deinem Arbeitgeber und bei deiner Versicherung ein.
00:15:42: Gut was ist mit Urlaub im
00:15:43: Ausland?!
00:15:44: Auch
00:15:44: da, das deutsche EU-System funktioniert nicht über Ländergrenzen hinweg.
00:15:49: Wer im Ausland krank wird muss sich um analoge Nachweise kümmern.
00:15:53: Und wenn mein Kind krank ist?
00:15:55: Auch dann!
00:15:56: Das sogenannte Kinderkrankengeld also wenn du zu Hause bleiben musst weil dein Kind krunk ist – das läuft in der Regel noch über Papierbescheinigungen die du selbst weiterleiten musst.
00:16:05: Das gleiche gilt oft auch für Reakliniken oder Therapeuten die keine klassische Kassenzulassung haben.
00:16:12: Okay, das sind einige Ausnahmen.
00:16:14: Aber wenn ich jetzt ein ganz normaler Kassenpatient bin in Deutschland auf meinem Sofa-Liege und die EU theoretisch nutzen kann wie komme ich überhaupt an diese Krankschreibung ohne mich in ein volles Wartezimmer zu schleppen?
00:16:27: Da sind wir wieder bei der Distanzkrankschreibungen
00:16:30: Genau also per Telefon oder Video die ja politisch gerade auf der Abschlussliste steht.
00:16:35: Wie sind da aktuell noch die genauen Spielregel
00:16:38: Stand?
00:16:39: heute hat der gemeinsame Bundesausschuss das dauerhaft geregelt, also zumindest bis ein neues Gesetz das kippt.
00:16:45: Der wichtigste Punkt hier vorab – du hast als Patient überhaupt kein einklagbaren Rechtsanspruch auf so eine Fernkrankschreibung?
00:16:51: Ich kann das nicht fordern!
00:16:52: Nein….
00:16:53: Es bleibt immer die medizinische Ermessensentscheidung der Ärztin oder des Arztes ob sie das in deinem speziellen Fall für vertretbar halten.
00:17:00: Und was gilt beim Telefon?
00:17:01: Beim Telefon gelten derzeit die mit Abstand engsten Vorgaben.
00:17:05: Du musst der Praxis als Patient bereits bekannt sein.
00:17:08: Du darfst keine schweren Symptome haben, die eine körperliche Untersuchung zwingend erfordern und diese telefonische Erstbescheinigung dafür maximal fünf Tage ausgestellt werden.
00:17:17: Und wenn ich länger krank bin?
00:17:19: Weißt du sie danach verlängern, musst du zwingen persönlich in der Praxis erscheinen!
00:17:23: Okay das Telefon ist also schon ziemlich stark limitiert.
00:17:26: Wenn ich jetzt aber die Videosprechstunde nutze da sieht der Arzt mich ja immerhin.
00:17:31: Er sieht dass ich Blass bin Schwitze und Huste.
00:17:34: Gelten da entspantere Regeln, weil die Diagnosemöglichkeit einfach besser ist?
00:17:39: Ja.
00:17:39: Die Regeln für Videokonsultationen sind tatsächlich großzügiger, weil dieser visuelle Eindruck eine fundiertere Einschätzung zulässt.
00:17:46: Wenn die Praxis dich als Patient bereits kennt, kann sie dich per Video für bis zu sieben Tage krank schreiben!
00:17:51: Und wenn ich da noch nie war?
00:17:53: Selbst wenn du der Praxis völlig unbekannt bist, sind per Video immerhin noch Krankschreibungen für bis zur drei Tage möglich.
00:17:58: Okay also... Ich fasse das jetzt mal für mich zusammen.
00:18:04: Ich drücke den Feueralarm, ich rufe an und schreibe eine E-Mail vor Schichtbeginn.
00:18:09: Dann mache ich eine Videosprechstunde, bekomme die Krankschreibung, die EU wird automatisch übermittelt – und mein Chef ruft sie ab!
00:18:16: So weit so gut?
00:18:17: Wenn ich diese Kette fehlerfrei durchlaufen habe bin ich doch juristisch absolut unantastbar.
00:18:23: Da kann mir der Arbeitgeber doch gar nichts mehr
00:18:25: oder?!
00:18:26: Nein… das ist ein extrem gefährlicher Tugschluss
00:18:29: Ersthaft?
00:18:30: Ja, dieser Irrtum hat schon viele Arbeitnehmer vor Gericht im Kopf gekostet.
00:18:34: Dieses ärztliche Attest ist kein absoluter Freifahrtschein!
00:18:38: Aber es ist doch ein offizielles Dokument vom Arzt.
00:18:41: Es ist rechtlich gesehen zwar dein wichtigstes Beweismittel aber es begründet eben keine unwiderlegbare Tatsache.
00:18:47: Wenn dein Arbeitgeber handfeste objektive Tatsachen vorbringen kann die ernsthafte Zweifel an deine Erkrankung wecken dann kann er den sogenannten Beweiswert deines Attests Vorgerichterschüttungen
00:18:59: Den Beweiswert erschüttern?
00:19:01: Wie muss ich mir das vorstellen, also in welchen Situationen kippt so ein ärztliches Attest denn in der Praxis um.
00:19:08: Damit Abstand gefährlichste Moment für so etwas ist eine Krankheit während der Kündigungsphase.
00:19:13: Das Bundesarbeitsgericht hat hierin zwei sehr brisanten Urteilen aus den Jahren zwanzig-einenundzwanzig und zwanzi-dreiundzwansich die Zügel extrem angezogen.
00:19:21: Was war da passiert?
00:19:22: Stell dir folgendes Szenario vor Ein Mitarbeiter wird an einem Freitag gekündigt Am Montag meldet er sich krank.
00:19:29: Das Attest läuft exakt und passgenam bis zum allerletzten Tag seiner Kündigungsfrist, sagen wir mal im einund dreißigsten des Monats.
00:19:36: Okay – und dann?
00:19:37: Und am ersten des Folgemonats dritter Potts munter seinen neuen Job an!
00:19:41: Wenn diese zeitliche Deckungsgleichheit zwischen Attest- und Kündigungshrist so perfekt ist, sagen die Richter mittlerweile «Hier ist der Beweiswert des Attests in der Regel erschüttert».
00:19:52: Die Zufälligkeit ist schlicht zu gering.
00:19:55: Naja, das leuchtet irgendwo ein.
00:19:57: Es sieht halt sehr nach Krankfeiern aus!
00:19:59: Aber was ist die konkrete rechtliche Konsequenz für mich wenn der Richter sagt dass Attest isst erschüttert?
00:20:05: Die Konseqenzen ist brutal weil sich die Beweislast im Prozess komplett umdreht.
00:20:09: es reicht für dich dann nicht mehr aus einfach auf deinen gelben Schein oder die ERO zu verweisen.
00:20:14: Was muss ich denn machen?
00:20:16: Du stehst plötzlich in der Pflicht vor Gericht detailliert und fundiert zu beweisen dass du wirklich krank warst.
00:20:22: Du musst schildern, welche konkreten Beschwerden du hattest.
00:20:24: Du musst darlegen, welche Medikamente du genommen hast.
00:20:27: Vor dem Richter?
00:20:28: Genau!
00:20:29: Und der drastischste Schritt... ...du musst deinen behandelnden Arzt von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden und ihn in den Zeugenstand rufen.
00:20:40: Oha!
00:20:41: Und wenn dieser Arzt sich dann nach acht Monaten nicht mehr Haar genau an dein Speziellenfall erinnern kann – was logisch ist weil du nur einer von vierzig Patienten am Tag warst verlierst du den Prozess.
00:20:52: Und was heißt das finanziell?
00:20:54: Der Arbeitgeber muss dir dann für diese gesamte Zeit keinen einzigen Cent Gehalt nachzahlen!
00:21:00: Das ist heftig, Atma... Wenn der Chef mir also generell nicht über den Weg traut, greift er dann einfach zu extremen Mitteln?
00:21:07: Also darf er mir einfach einen Privatdetektiv auf den Hals fetzen, der mich ausspioniert um zu sehen ob ich wirklich mit Grippe im Bett liege oder gerade im Garten die Terrasse neu
00:21:16: pflastere?!
00:21:17: Nein, so einfach geht es in Deutschland zum Glück nicht.
00:21:21: Das Arbeitsrecht und die Datenschutzgesetze nehmen den Schutz sensibler Gesundheitsdaten wirklich extrem ernst.
00:21:28: Heimliche Detektive sind ein massiver Eingriff in die Privatsphäre, das es wirklich nur in absoluten handfesten Ausnahmefällen erlaubt.
00:21:36: Also wann?
00:21:37: Nämlich genau dann wenn der Beweiswert des Attests durch extrem stichhaltige Tatsachen ohnehin schon tief erschüttert ist.
00:21:45: Ein wager Verdacht oder reine Antipathie reichen da absolut nicht aus!
00:21:49: Und wenn der Chef es trotzdem macht?
00:21:51: Wenn ein Chef einfach so auf Verdacht spionieren lässt, macht er sich oft schadensersatzpflichtig.
00:21:56: Und die gesammelten Beweise unterliegen vor Gerichtern meistens einem strikten Beweisverwertungsverbot – er kann sie also gar nicht nutzen!
00:22:02: Was ist denn dann der korrekte Weg für
00:22:04: ihn?!
00:22:05: Der
00:22:05: korrechte legale Weg für einen Arbeitgeber, der an der Krankheit zweifelt, führt über den medizinischen Dienst, den MDK.
00:22:13: Er kann über deine Krankenkasse eine gut achterliche Stellungnahme verlangen
00:22:17: und die prüfen das dann
00:22:18: Genau.
00:22:19: Der MDK prüft den Fall neutral, lädt dich im Zweifel sogar zu einer eigenen körperlichen Untersuchung ein und teilt dem Arbeitgeber am Ende nur das Ergebnis der Arbeitsfähigkeit mit.
00:22:30: Die genaue Diagnose bleibt aber auch hier dein absolutes Geheimnis.
00:22:33: Gut – das beruhigt mich zumindest etwas was diese Detektivspionage angeht!
00:22:38: Ein anderes Thema rund um Kündigungen dass sich wirklich hartnäckig in den Köpfen hält ist ja der Glaube daß man per se nicht gekündigt werden kann solange man krankgeschrieben.
00:22:48: Viele denken ja wirklich, die Krankschreibung sei so eine Art magischer Schutzschild.
00:22:52: Das ist einer der gefährlichsten Irrglauben im Arbeitsrecht.
00:22:55: Der kostet regelmäßig Menschen den Arbeitsplatz!
00:22:58: Also man kann gefeuert werden wenn man krank isst?
00:23:01: Trankheit schützt dich in Deutschland absolut nicht vor einer Kündigung.
00:23:04: Dein Arbeitgeber kann dir eine betriebsbedingte oder verhaltensbedingten Kündigungen völlig problemlos zustellen während du trank im Bett liegst.
00:23:12: Unglaublich!
00:23:12: In extremen Ausnahmefällen Also bei negativer Gesundheitsprognose und massiven wirtschaftlichen Belastungen für den Betrieb, kann er dir sogar wegen der Krankheit selbst kündigen.
00:23:22: Auch wenn die Hürden dafür sehr hoch sind.
00:23:25: Und
00:23:25: worauf muss man da jetzt als Arbeitnehmer
00:23:27: achten?
00:23:27: Das Allerwichtigste für dich als Hörer in dieser Situation ist eine einzige Frist – die absolut unerbittlich ist!
00:23:34: Wenn eine Kündigung in deinem Briefkasten landet hast du exakt drei Wochen Zeit um eine Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen.
00:23:42: Warum genau drei Wochen?
00:23:43: Diese Frist dient einfach der Rechtssicherheit.
00:23:46: Arbeitgeber müssen irgendwann wissen, ob eine Künstigung Bestand hat oder nicht.
00:23:50: Und was passiert wenn ich diese drei Wochen verpasse?
00:23:53: Sagen wir mal Ich liege nach einem schweren Unfall im Coma Oder ich bin wochenlang in einer total isolierten Reha und finde den Brief erst nach einem Monat unten in der Post.
00:24:04: Der Grundsatz lautet Verstreicht diese drei-Wochenfrist ungenutzt ist die Kündigung rechtskräftig.
00:24:10: Auch wenn sie unfair war?
00:24:11: Völlig egal, wie schwach ungerechtfertigt oder sozial biedrig sie vielleicht begründet war.
00:24:16: Sie gilt dann als von Anfang an rechtswirksam.
00:24:19: Aber was es mit dem Coma-Beispiel?
00:24:20: das kann doch nicht sein!
00:24:21: Für
00:24:22: solche extremen Fälle gibt es zwar den juristischen Notnagel der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aber das ist ein extrem komplexes juristisches Verfahren.
00:24:32: da muss man sofort nach Wegfall des Hindernisses also etwa direkt nach dem Erwachen aus dem Comah handeln.
00:24:38: Die klare Regel für den Alltag lautet einfach.
00:24:41: Kündigung im Briefkasten heißt sofort zum Anwalt, egal wie krank man sich gerade fühlt.
00:24:47: Neben diesen massiven juristischen Minenfeldern rund um Kündigungen gibt es aber ja auch noch handfeste finanzielle Fallen im Alltag.
00:24:56: Ohja da gibt es einige!
00:24:57: Nehmen wir mal den Jobwechsel.
00:24:59: was passiert eigentlich wenn ich total hoch motiviert einen neuen Job anfange Und nach zwei Wochen richtig fies von einem Magen-Darm-Virus niedergestreckt werde.
00:25:08: Zahlt der neue Chef dann mein Gehalt weiter?
00:25:11: Ihr
00:25:11: greift eine klassische Schutzvorschrift für Arbeitgeber, die echt oft übersehen wird!
00:25:16: In den ersten vier uninterbrochenen Wochen eines neuen Arbeitsverhältnisses gibt es eine sogenannte Sperrfrist für die Endgeldvorzahlung.
00:25:25: Sperfrist heißt ich krieg kein
00:25:26: Geld?!
00:25:27: Der Gesetzgeber sagt hier vereinfacht, der Arbeitgeber soll nicht das volle finanzielle Risiko für jemanden tragen, der gerade erst angefangen hat.
00:25:35: Wirst du in diesen ersten vier Wochen krank?
00:25:37: Zahlt dein neuer Arbeitgebert dir gar nichts – Null Euro!
00:25:41: Das ist ja bitter, wovon lebe ich
00:25:42: dann?!
00:25:43: In diesem Fall fällst Du nicht ins Boden lose Denn deine gesetzliche Krankenkasse springt sofort ein und zahlt Dir Krankengeld.
00:25:50: Ist das so viel wie mein Gehalt?
00:25:51: Nicht ganz.
00:25:52: Das sind etwa siebzig Prozent deines regelmäßigen Bruttogehalts, allerdings gedeckelt auf maximal neunzig Prozent Deines Nettoes!
00:25:59: Du hast also merkliche finanzielle Einbußen
00:26:02: Und die Regeln bleiben gleich?
00:26:03: Ganz wichtig Ja... du musst dich natürlich trotzdem auch beim neuen Arbeitgeber streng an die Regelen für die Anzeige und den Nachweis halten.
00:26:11: Da muss man finanziell also echt etwas puffer haben wenn man den Job wechselt.
00:26:16: Okay Wie sieht es denn bei einem anderen Albtraum aus?
00:26:19: Ich bin endlich im langen ersehnten, genehmigten Jahresurlaub, liege in Italien entspannt am Strand und am zweiten Tag haut mich eine Lebensmittelvergiftung komplett um.
00:26:30: Sind meine wertvollen, hart verdienten Urlaubstage dann einfach weg?
00:26:34: Nein.
00:26:34: Hier ist das Gesetz ausnahmsweise mal sehr arbeitnehmerfreundlich!
00:26:38: Der Urlaub dient rechtlich der Erholung und wer krank isst kann sich nicht erhol'n
00:26:42: Das stimmt.
00:26:43: Wenn du im Urlaub krank wirst werden diese bescheinigten Krankheitstage nicht auf dein Jahresurlaub angerechnet sondern dir auf deinen Urlaubskonto quasi zurückgebucht.
00:26:53: Ja
00:26:54: Aber es gibt hierbei zwei massive Haken über die extrem viele Leute stolpern.
00:26:58: Welche?!
00:26:59: Erstens, du brauchst dafür zwingend ein ärztliches Attest ab dem allerersten Krankheitstag.
00:27:06: Auch wenn in deinem Betrieb sonst eine total lockere drei Tagefrist gilt.
00:27:10: im Urlaub brauchst Du den Nachweis sofort!
00:27:13: Sonst gibt es die Tage einfach nicht zurück.
00:27:15: Okay, Attest an Tag eins im Urlaub – gemerkt.
00:27:19: Und der zweite Haken?
00:27:20: Der Kardinalfehler.
00:27:22: Wenn Du fünf Tage im Urlauf krank warst Darfst du diese fünf geretteten Tage auf gar keinen Fall einfach eigenmächtig ans Ende deines Urlaubs dranhängen und dann eben später wieder im Büro erscheinen?
00:27:33: Oh, ich wette das machen viele.
00:27:35: Ja aber das wäre unentschuldigtes Fehlen!
00:27:38: Juristisch gesehen ist das Arbeitsverweigerung und ein ganz klassischer Kündigungskund.
00:27:43: Ach krass!
00:27:43: Du musst zu dem ursprünglich geplanten Datum wieder arbeiten und dir die gerettete Tage später ganz normal neu beim Chef beantragen.
00:27:50: Gut, dass wir das klären.
00:27:51: Das ist echt eine böse Falle!
00:27:53: Eine letzte Konstellation habe ich noch die ja auch viele betrifft, die gerade vielleicht zwischen zwei Jobs stehen.
00:27:59: Was ist wenn nicht arbeitslosem Geld beziehe und in dieser Zeit krank werde?
00:28:04: Kürzt mir das Amt dann sofort das Geld?
00:28:06: Da greift ein Mechanismus der dem beim regulären Arbeitgeber sehr ähnlich ist.
00:28:11: Die Agentur für Arbeit zahlt ihn unveränderter Höhe weiter quasi als Entgeltfortzahlung
00:28:16: Und nach den sechs Wochen
00:28:18: Wenn du länger als sechs Wochen am Stück krank bist, springt auch hier die Krankenkasse mit dem Krankengeld ein.
00:28:23: Aber Achtung!
00:28:25: Die absolute Pflicht zur unverzüglichen Meldung also unser Feueralarm vom Anfang bleibt auch gegenüber der Agentur für Arbeit bestehen.
00:28:33: Also das war jetzt wirklich ein massiver Ritt durch die tiefsten Paragrafen des Arbeitsrechts.
00:28:39: Wir haben die politischen Pläne von März und der Koalition beleuchtet, wir haben die typischen Fristen besprochen – und vor allem gesehen wie unfassbar schnell man in Beweisnot geraten kann!
00:28:51: Wenn du all diese juristischen und politischen Entwicklungen jetzt mal zusammennimmst….
00:28:55: was ist denn dein abschließendes Fazit aus Allgeben?
00:28:59: Wenn wir uns die Entwicklung der letzten Jahre anschauen, besonders im Hinweg auf die Digitalisierung der Krankmeldung dann dringt sich für mich am Ende ein letzter fast schon philosophischer Gedanke auf.
00:29:09: Ich bin gespannt!
00:29:10: Wir bewegen uns aktuell in einer Arbeitswelt in der Technologie wie eben diese EAU eigentlich dazu gedacht war Vertrauen aufzubauen.
00:29:18: Sie sollte Bürokratie abbauen und Prozesse für alle Beteiligten irgendwie einfacher machen Was
00:29:23: hier ja für uns Patienten anfangs auch getan hat.
00:29:25: Genau.
00:29:26: Doch, paradoxerweise hat genau diese lückenlose digitale Datenerfassung jetzt zu mehr Kontrolle geführt.
00:29:34: Sie führt zu sichtbaren Krankenständen und letztlich zu einer politischen Rückkehr zum absoluten Misstrauen – wie wir ja an den aktuellen Plänen des Koalitionsausschusses sehen!
00:29:45: Und das wirft für jeden Einzelnen die fundamentale Frage auf Wie viel von unserem ganz privaten Gesundheitszustand gehört am Ende eigentlich dem System?
00:29:54: Und wie viel Vertrauen ist das System überhaupt bereit, uns entgegenzubringen.
00:29:58: Das
00:29:59: ist wirklich eine tiefe Überlegung die man heute mal mit in den Feierabend nehmen sollte.
00:30:03: Technik, die uns das Leben eigentlich erleichtern und Vertrauen schaffen sollte wird plötzlich zur Kontrollinstanz und liefert die Munition für noch schärfere Gesetze.
00:30:15: Damit sind wir am Ende unserer gründlichen Analyse für heute.
00:30:18: Ich hoffe, wir konnten dir das nötige Rüstzeug an die Hand geben damit du im Ernstfall nicht panisch reagierst!
00:30:24: Lass dich nicht unterkriegen wenn der Kopf dröhnt.
00:30:26: so lange du deine Rechte kennst den Feueralarm rechtzeitig drückst und deine Fristen im Blick hast bist du auf der sicheren Seite Bis zur nächsten Ausgabe deines Karrieremagazins Podcasts hier auf stellmarkt.de.
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