3.000 Euro Brutto – Was landet 2026 wirklich auf dem Konto?

Shownotes

Wir sprechen darüber, warum die Antwort auf die Frage „Was bleibt netto?“ 2026 extrem unterschiedlich ausfällt. Die Spanne reicht von knapp über 1.600 Euro bis fast 2.300 Euro – ein Unterschied von über 600 Euro bei identischem Bruttolohn.

Die Schwerpunkte der Folge:

  • Das Tauziehen der Abgaben: Warum die gesetzliche Steuerentlastung durch den höheren Grundfreibetrag fast unbemerkt wieder von steigenden Krankenkassenbeiträgen aufgefressen wird
  • Der Faktor Steuerklasse: Wir klären, warum die Wahl zwischen den Klassen I bis VI den größten Hebel auf deine monatliche Liquidität hat und wer 2026 besonders aufpassen muss
  • Individuelle Stellschrauben: Von Kindern im Haushalt bis hin zum Wohnort – wir zeigen auf, warum zwei Menschen mit dem gleichen Job am Ende des Monats völlig unterschiedliche Beträge zur Verfügung haben
  • Optimierungstipps: Wie man durch einen Krankenkassenwechsel oder die Pendlerpauschale doch noch ein paar Euro mehr aus der Abrechnung herausholen kann

Eine Folge für alle, die verstehen wollen, wie das System 2026 funktioniert und wie man am Ende des Monats mehr im Geldbeutel behält.

Transkript anzeigen

00:00:08: Willkommen

00:00:08: zu einer neuen Ausgabe des Karrieremagazin-Podcasts auf stellenmarkt.de.

00:00:14: Stell dir mal folgendes Szenario vor Du und dein Kollege, ihr macht exakt denselben Job.

00:00:21: Ihr sitzt im selben Büro, schiebt dieselben Überstunden Und auf euren Arbeitsverträgen steht echt Haar.

00:00:26: genau dieselbe Zahl Also, dreitausend Euro Brutto im Monat.

00:00:31: Aber dann kommt der Zahltag.

00:00:33: Das hakt ja Wahrheit.

00:00:35: Genau.

00:00:36: Du lockst dich in dein Online-Banking ein, siehst deinen Kontostand und stellst fest dass dein Kollege gerade mal eben über sechshundert Euro mehr Überwiesen bekommen hat als du.

00:00:46: Wahnsinn oder?

00:00:47: Für die exakt gleiche Arbeit!

00:00:49: In unserer heutigen ausführlichen Diskussion sitzieren wir genau dieses Phänomen.

00:00:55: Wir brechen eine scheinbar simple Zahl also diese dreitausend Euro bis auf den absolut letzten Zent herunter und decken auf wie das System im Hintergrund eigentlich entscheidet Was davon am Ende wirklich bei dir ankommt?

00:01:06: Ja, das ist ein Szenario, dass jeden Tag in unzähligen Betrieben absolute Realität ist.

00:01:14: Leider ja!

00:01:15: Die meisten Menschen kennen zwar ihr brutto Gehalt auswendig ne aber die haben oft echt keine Ahnung welche Hebel und Rädchen sich da im Hintergrund drehen bevor das Geld überhaupt auf dem Konto landet.

00:01:27: Man

00:01:27: guckt halt nur aufs Netto

00:01:28: Richtig.

00:01:29: Und wer diese Mechanik nicht versteht, der durchschaut oft nicht warum am Ende des Monats das Budget plötzlich knapp wird oder warum eine hart erkämpfte Gehaltserhöhung auf dem Weg zum Konto irgendwie fast vollständig verdampft?

00:01:43: Dieses Wissen bedeutet schlichtweg Kontrolle.

00:01:46: Kontrolle über deine eigene Lebensrealität!

00:01:49: Okay, lass uns das mal aufschlüsseln.

00:01:50: Damit wir hier nicht völlig im luftleeren Raum diskutieren, setzen wir mal ein paar harte Parameter für unser Gedankenexperiment.

00:01:58: Gute Idee?

00:01:59: Wir schreiben das Jahr zwanzigundzwanzig du lebst und arbeitest in Berlin

00:02:03: Und um die Variablen so ein bisschen einzugrenzen klammern wir die Kirchensteuer mal komplett aus.

00:02:09: Genau dies sehr individuell.

00:02:10: Wir rechnen hier also mit null Euro.

00:02:13: Und eine Sache, die das Spielfeld ein kleines bisschen übersichtlicher macht der Solidaritätszuschlag fällt bei unserem Bruttogehalt von drei tausend Euro in all unseren heutigen Szenarien ohnehin komplett weg.

00:02:24: Exakt!

00:02:25: Der liegt also bei exakt Null.

00:02:26: Komma Null Null Euro.

00:02:27: Sehr gut

00:02:28: Bevor wir jetzt aber äh...die Taschenrechner glühen lassen müssen wir uns eigentlich mal fragen wer sind eigentlich die Menschen hinter dieser Zahl?

00:02:36: Ja

00:02:37: Wer verdient diese dreitausend euro Bruto?

00:02:39: Also wenn wir uns die Gehaltsstrukturen da mal ansehen, stoßen wir auf eine unheimlich breite Palette an Lebensläufen.

00:02:46: Das ist keine einheitliche Gruppe oder?

00:02:47: Überhaupt nicht!

00:02:52: Wir finden in diesem Segment eigentlich das absolute Rückgrat unserer täglichen Infrastruktur.

00:02:58: Da sind zum Beispiel erfahrene Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern, Leute die Schichtarbeit leisten und eine immense Verantwortung für Menschenleben tragen.

00:03:07: Hartes Brot?

00:03:08: Absolut!

00:03:08: Und gleichzeitig bewegen sich Erzieherinnen und Erziehern teilweise schon in ne leitenden Position genau im finanziellen Rahmen.

00:03:16: Das sind jetzt halt die typischen sozialen Berufe.

00:03:19: Aber wir sehen diese drei Tausend Euro doch auch massiv in der Industrie und Verwaltung, oder nicht?

00:03:23: Ja

00:03:24: total!

00:03:24: Ich denke da so an Industriem Mechaniker die ganze Produktionsstraßen am Laufen halten.

00:03:29: Genau die

00:03:30: Oder halt verwaltungsfach angestellte im öffentlichen Dienst.

00:03:33: Und wir dürfen auch die kommerzielle und zu technische Seite nicht ausblenden.

00:03:37: Stimmt.

00:03:37: Nehmen wir mal ein Fachinformatiker.

00:03:39: Der startet nach der Ausbildung frisch in den Job und der steigt oft genau in dieser Region ein.

00:03:46: Dazu kommen dann noch Bank- und Versicherungskaufleute, erfahrene technische Zeichner, Mediengestalter oder auch Physiotherapeuten die eine eigene kleine Praxis führen.

00:03:56: Es ist schon irgendwie wild darüber nachzudenken, der IT-Einsteiger, der den ganzen Tag vor irgendwelchen Code Sequenzen sitzt und dann die Trankenschwaster nach einer echt anstrengenden Nacht schägt?

00:04:06: Die haben völlig unterschiedliche berufliche Realitäten, also körperlich wie mental.

00:04:10: Absolut!

00:04:11: Aber in dem Moment, indem die Gehaltsabrechnung gedruckt wird, wirft das System sie alle in exakt denselben Topf.

00:04:16: Genau das ist es.

00:04:17: Das ist doch wie so ein perfekter Querschnitt durch unsere Gesellschaft vom Handwerker bis zum IT-Einsteiger... aber moment mal bedeutet das dann dass all diese Leute am Ende des Monats den selben Lebensstandard haben?

00:04:31: Was hier wirklich faszinierend ist Dieser Annahme ist der größte Trugschluss unseres gesamten Gehaltssystems.

00:04:38: Die dreitausend Euro sind im Grunde genommen nur eine theoretische Verhandlungsbasis, was danach passiert?

00:04:44: Das hat mit deiner Leistung am Arbeitsplatz überhaupt nichts mehr zu tun!

00:04:48: Krass!

00:04:49: Ob du Single bist, ob du Kinder großziehst, ob Du verheiratet bist oder vielleicht einen Zweitjob hast... All diese hochgradig privaten Entscheidungen und Lebensumstände.

00:04:59: Die wirken halt wie riesige Filter.

00:05:02: Und diese Filter entscheiden dann am Ende darüber, ob du die am Ende des Monats einen Urlaub ansparen kannst oder ob du wirklich jeden Euro zweimal umdrehen musst.

00:05:11: Bevor der Staat nämlich auch nur ansatzweise anfängt nach Steuern zu fragen – es legt ja erst einmal das Sozialsystem zu!

00:05:18: Der erste große Cut?

00:05:20: Genau.

00:05:21: Wir ziehen jetzt den ersten gewaltigen Block von unserem dreitausend Euro-Gehalt ab.

00:05:26: Ich nenne das gerne das gigantische verpflichtende Abo-Paket.

00:05:30: Schöner Begriff!

00:05:31: Das ist doch wie bei so einem Streamingdienst, nur dass du dieses Abo echt niemals kündigen kannst.

00:05:36: Richtig!

00:05:37: Völlig unabhängig davon ob du die Leistungen in den nächsten zehn Jahren überhaupt mal in Anspruch nimmst.

00:05:42: Also was bedeutet das alles konkret?

00:05:45: Dein Vergleich mit dem Abo Paket der trifft wirklich den Nagel auf den Kopf.

00:05:49: Ja

00:05:50: Wir sprechen hier nämlich von den Sozialversicherungsbeiträgen Und im Gegensatz zu den Steuern, die wir uns ja gleich noch ansehen, greift hier ein absolut eisernes Prinzip.

00:06:00: Welches?

00:06:01: Absolute Gleichbehandlung!

00:06:02: Okay...

00:06:03: Bei drei tausend Euro brutto kostet dieses Abo-Paket exakt sechshundertzweiunddreißig Euro fünfzig im Monat.

00:06:10: Puh!

00:06:11: Ohne Ausnahme.

00:06:12: Warte mal, sechshzentzein dreißig euro.

00:06:14: Da muss man erstmal kurz schlucken.

00:06:16: Ja das ist viel Geld.

00:06:18: Das ist fast ein Fünftel des Geheils, das einfach verschwindet bevor wir überhaupt das Wort Steuern auch nur in den Mund genommen haben.

00:06:24: Ganz genau!

00:06:25: Ist das nicht ein massiver Einschnitt?

00:06:27: Ja,

00:06:28: das ist einfach weg.

00:06:29: Wenn so ein massiber Block verschwindete was frisst denn da den größten Teil?

00:06:33: ich würde jetzt mal spontan auf die Krankenversicherung tippen.

00:06:36: das Gesundheitssystem verschlingt ja echt Unsummen.

00:06:39: und dass es der Punkt an dem viele einen Denkfehler machen Der mit Abstand teuerste Posten ist nämlich nicht die Gesundheit, sondern das Alter.

00:06:48: Ah!

00:06:49: Es isst die Rentenversicherung.

00:06:51: Von deinen dreitausend Euro fließen jeden Modert neun.

00:06:54: Komma drei Prozent direkt dorthin.

00:06:57: Okay?

00:06:58: Das sind glatte zweihundertneunundsiebzig Euro...

00:07:01: Dweihundertneuneunundsißig Euro jeden verdammten Monat nur für die

00:07:04: Rente?!

00:07:05: Ja!

00:07:05: Da müsste sich über die Jahrzehnte ja ein gigantischer Berg an Geld ansammeln.

00:07:10: Theoretisch ja….

00:07:13: Aber hier müssen wir kurz mal auf die Mechanik dahinter schauen.

00:07:16: Okay, schieß los!

00:07:17: Wir

00:07:17: haben in Deutschland ein sogenanntes Umlageverfahren.

00:07:21: Diese twohundertneunundsiebzig Euro wandern nicht etwa auf ein kleines Sparkonto, auf dem dein Name steht.

00:07:28: Schön wär's.

00:07:29: Das Geld wird noch im selben Monat an die heutige Rentnergeneration ausgezahlt.

00:07:34: Verstehe...

00:07:35: Du finanzierst also mit diesem großen Block unmittelbar den Lebensunterhalt der Menschen, die jetzt bereits im Ruhestand sind.

00:07:43: Und du erwürst im Gegenzug halt den moralischen und rechtlichen Anspruch dass die nächste Generation das später mal für dich tut?

00:07:50: Ein Generationenvertrag in harten Zahlen gegossen!

00:07:53: Okay verstanden was kommt nach der Rente?

00:07:57: Dann kommt deine Krankenversicherung.

00:07:59: Ah

00:07:59: da ist sie

00:08:00: Genau.

00:08:01: Hier liegt der gesetzliche Basissatz bei sieben Komma drei Prozent, das sind zweihundertneunzehn Euro.

00:08:07: Mhm.

00:08:08: Aber wie du sicher weißt reicht es den meisten Krankenkassen schon lange nicht mehr um ihre Kosten überhaupt zu decken.

00:08:13: Da kommt doch dieser ominöse Zusatzbeitrag ins Spiel oder?

00:08:17: Über dem man sich am Jahresende immer so ärgert wenn er schon wieder steigt.

00:08:20: Exakt der!

00:08:21: Wir haben für unsere Berechnung hier mal einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von null Komma acht fünf Prozent angesetzt.

00:08:27: Okay

00:08:28: Das entspricht weiteren twenty-fünfzig Euro fünfzig.

00:08:31: Du zahlst also insgesamt zweihundert viervierzig Euro fünftig in die Krankenversicherung?

00:08:37: Alles klar!

00:08:38: Als dritte Säule folgt dann die Pflegeversicherung.

00:08:41: Und was kostet die?

00:08:42: Die liegt bei zweikommer drei Prozent, was dann neunundsechzig Euro ausmacht.

00:08:48: und den Abschluss bildet die Arbeitslosenversicherung.

00:08:51: Okay, dies ist wahrscheinlich nicht so teuer oder

00:08:54: Nee, die ist mit eins Komma drei Prozent vergleichsweise echt günstig und kostet dich bei dreitausend Euro brutto genau neununddreißig Euro im Monat.

00:09:02: Also wenn ich das jetzt mal kurz zusammen rechne Die zweihundertneunundsiebzig für die Rente die knapp Zweihundert vierhundvierzig Für die Krankenkasse dann die Neunundsechzig für Pflege Und die Neuneinunddreißig für den Fall der Arbeitslosigkeit.

00:09:15: Genau Dann landen wir wirklich punktgenau Bei diesen sechshundert Zweiunddraißig.

00:09:19: Eure Fünfzig

00:09:20: richtig

00:09:21: Das ist fast ein fünftel des Gehalts.

00:09:23: Ich muss da echt noch mal kritisch einhaken.

00:09:26: Gerne!

00:09:26: Wir nehmen hier jemandem, der bei dreitausend Euro ohnehin jetzt nicht in Reichtum schwimmt fast zwanzig Prozent seines Einkommens weg und zwar ganz egal wie seine privaten Lebensumstände sind.

00:09:37: Ja... Also ein Single, der entspannt in einer WG lebt zahlt diese sechshundertzweiunddreißig Euro genauso wie einen Vater, der drei Kinder ernähren muss.

00:09:47: Ja absolut und das ist ein ganz bewusstes Design des Systems.

00:09:52: Echt?

00:09:52: Man kann diesen Abzug natürlich durchaus als harten Einschnitt empfinden, klar.

00:09:57: Aber warum machen wir das?

00:09:59: Weil das das Fundament unseres sozialen Netzes bildet!

00:10:02: Ohne diese Pflichtbeiträge gäbe es keine Lohnvorzahlung wenn du wochenlang schwer krank im Bett liegst.

00:10:08: Es

00:10:09: gäbe keine Reha nach einem Autounfall und auch kein Kurzarbeitergeld, wenn mal wieder eine Pandemie die Wirtschaft lahmlegt.

00:10:15: Okay das leuchtet ein!

00:10:16: Das

00:10:16: System ist auf der Beitragsseite völlig blind für deine privaten Umstände weil es eben auf der Leistungsseite das Risiko der gesamten Gesellschaft bündelt

00:10:24: Verstehe.

00:10:25: Und dass ist der Preis für ein Netz das im Zweifel jeden von uns auffängt.

00:10:29: Deshalb auch diese absolute Gleichbehandlung.

00:10:32: Das ergibt absolut Sinn.

00:10:34: Es ist halt ein unfassbar teures Abo aber eben eines das existenzielle Risiken abdeckt

00:10:39: Genau.

00:10:40: Wir haben jetzt also die planbaren Fixkosten des Sozialstaates hinter uns, von unseren dreitausend Euro sind noch exakt zwei tausend dreihundertsechzig Euro fünfzig übrig und hier wird es jetzt wirklich interessant.

00:10:53: Oh ja!

00:10:53: Denn

00:10:54: ab diesem Moment betreten wir das Labyrinth der Steuerklassen

00:10:57: ein großes Labyrinthe.

00:10:59: Das ist der Bereich in dem dein privater Lebensstil echt schonungslos in nackte Eurobeträge übersetzt wird?

00:11:04: Ja

00:11:05: Wie entscheidet der Staat denn jetzt, was er von diesen verbleibenden zweieinhalb Tausend Euro noch behalten will?

00:11:10: Das Instrument dafür ist die Lohnsteuer.

00:11:13: Und die Logik dahinter ist völlig anders als bei den Sozialabgaben eben...

00:11:18: Okay wie das?

00:11:19: Na ja!

00:11:19: Die Sozialabgarben waren für alle komplett gleich.

00:11:22: Stimmt!

00:11:23: Die Lohn-Steuer hingegen versucht deine individuelle wirtschaftliche Leistungsfähigkeit abzubilden.

00:11:29: Aha!

00:11:30: Der System fragt sich quasi Wie viel von diesem Einkommen brauchst du zwingend zum Überleben?

00:11:36: Und wieviel können wir noch besteuern, ohne dich da in existenzielle Nöte zu stürzen.

00:11:41: Okay!

00:11:42: Um genau das zu berechnen nutzen wir in Deutschland eben das System der Steuerklassen.

00:11:46: Lass uns das doch direkt mal anhand unserer dreitausend Euro durchspielen.

00:11:49: Gerne!

00:11:50: Wir fangen mal mit dem absoluten Standard an, Steuerklasse eins...

00:11:52: Der Klassiker.

00:11:53: Genau Das ist der Single Nicht verheiratet keine Kinder.

00:11:58: Was passiert mit seinen zwei tausend dreihundertsechzig Euro Restbrutto?

00:12:02: Der Single in der Steuerklasse eins zahlt auf dieses Gehalt monatlich dreihundertdreiundachtzig Euro und sechzehn Cent Lohnsteuer.

00:12:09: Das heißt, auf dem Kontolanden am Ende des Monats exakt eintausend neunhundertvierundachtig Euro und vierunddreißig Cent Netto.

00:12:16: Genau so ist es!

00:12:17: Einmal kurz tief durchatmen Wir sind bei einem Startgehalt von drei tausend Euro gerade eben unter die zweitausend euro Grenze gerutscht.

00:12:27: Das ist leider die mathematische Realität der SteuerKlasse.

00:12:30: Eins

00:12:30: Wahnsinn.

00:12:31: Der Staat gewährt dir hier den regulären Grundfreibetrag.

00:12:35: Was genau ist das?

00:12:36: Das ist je Teil des Einkommens, der dein Existenzminimum sichern soll und der bleibt deshalb komplett steuerfrei.

00:12:43: Ah okay!

00:12:44: Und alles was darüber hinausgeht wird dann progressiv besteuert also mit einem steigenden Steuersatz.

00:12:50: Okay...das ist jetzt die Basis.

00:12:53: Jetzt verändern wir mal eine einzige Variable im Leben dieser Person Aus dem Single wird jemand, der ein Kind komplett allein erzieht.

00:13:02: Ein großer Unterschied.

00:13:03: Definitiv!

00:13:04: Wir wechseln also in die Steuerklasse zwei.

00:13:07: Die Lohnsteuer sinkt hier auf dreihundertsechsunddreißig Euro und sechsundsechzig Cent Und das Nettogehalt klettert leicht auf zweitausend dreißig euro und vierundachtzig Cent.

00:13:17: Richtig

00:13:18: Warum passiert es genau?

00:13:19: Der Staat erkennt ja einfach an dass die Lebensrealität dramatisch anspruchsvoller geworden ist.

00:13:25: Ja...das kann man wohl sagen.

00:13:27: Wer allein erziehend ist, hat deutlich höhere Fixkosten und ist auf dem Arbeitsmarkt oft weniger flexibel.

00:13:33: Die Kinderbetreuung muss ja irgendwie organisiert werden.

00:13:37: Klar!

00:13:37: Und genau deshalb gibt es in der Steuerklasse II diesen speziellen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende.

00:13:43: Bekommt denn jeder Alleinerziehende?

00:13:45: Die Voraussetzung ist das mindestens ein kindergeldberechtigtes Kind mit dir im Haushalt lebt.

00:13:51: Okay verstehe

00:13:52: Und diese Entlastungsbetrag schirmt dann einen weiteren Teil deines Einkommens vor der Steuer ab.

00:13:57: Okay, aber wenn ich mir die Zahlen jetzt mal ansehe – wir sprechen hier von einer Differenz von gut forty-six Euro im Vergleich zum Single in Klasse eins?

00:14:05: Ja das ist nicht viel!

00:14:07: Forty-six euro mehr Monat für jemanden, der die gesamte finanzielle und zeitliche Last eines Kindes echt allein trägt.

00:14:13: Ich glaube jeder, der Kinder hat weiß dass man mit forty six Euro im Monat Nicht mal die neuen Winterschuhe für den Nachwuchs finanziert bekommt, geschweige denn die gestiegenen Wohn- oder Lebensmittelkosten.

00:14:24: Das wirft in der Tat eine wichtige Frage auf!

00:14:27: Ja oder?

00:14:28: Die Systematik funktioniert auf dem Papier natürlich fehlerfrei – das steuerfreie Existenzminimum wird um einen errechneten Betrag angehoben….

00:14:36: Mathematisch korrekt?

00:14:37: Genau.

00:14:38: Aber ob dieser Betrag, die gesellschaftliche Realität und die tatsächliche Belastung eines alleinerziehenden Elternteils ausreichend abbildet Das ist halt eine politische Debatte.

00:14:49: Und die wird ja auch sehr intensiv geführt?

00:14:50: Absolut, sehr intensif!

00:14:52: Und von diesen, ich sag mal, feinen Unterschieden kommen wir jetzt zu den wirklichen Extremen dieses Labyrinths.

00:14:59: Weißt du ganz am Anfang habe ich ja gesagt Stell dir vor dein Kollege verdient Brutto exakt dasselbe bekommt aber Netto über sechshundert Euro mehr.

00:15:08: Ja

00:15:09: Lass uns das jetzt mal auflösen wie das überhaupt möglich ist.

00:15:12: Wir nehmen die extreme Steuerklasse drei und Steuerkasse sechs.

00:15:17: Oh ja!

00:15:17: Wenn du mit deinen dreitausend Euro Brutto in der Steuerklasse drei landest, dann führt dein Arbeitgeber nur lächerliche hundertdreißig Euro an Lohnsteuer ab.

00:15:26: Dein Netto stolze zwei tausend zweihundert und dreißig euro... Wahnsinn

00:15:31: oder?

00:15:32: Das ist der absolute Höchstwert den man aus diesen dreitaussend Euro legal überhaupt herausholen kann.

00:15:38: Verrückt?!

00:15:39: Und um das in Relation zu setzen müssen wir uns jetzt echt das komplette Gegenteil ansehen.

00:15:44: Die Steuerklaasse sechs Genau.

00:15:46: Oh ja, die gefürchtete Klasse sechs!

00:15:48: Die bekommst du ja oft aufgedrückt wenn Du einen Zweitjob annimmst.

00:15:51: Richtig Oder ganz profan, wenn Du bei einem Jobwechsel vergessen hast dem neuen Arbeitgeber rechtzeitig mitzuteilen wie Du steuerlich gemeldet bist.

00:16:00: Da kennt das System absolut keine Gnade

00:16:03: oder?

00:16:03: Gar keine.

00:16:04: In der Steuerklasse sechs gibt es nämlich keinen Grundfreibetrag.

00:16:08: Gar kein

00:16:08: Null.

00:16:09: Jeder einzelne verdiente Euro wird ab dem ersten Cent voll besteuert Wuf.

00:16:14: Und das führt bei unseren dreitausend Euro zu einer geradezu explodierenden Lohnsteuer von siebenhundertanundvierzig Euro und vierzig Cent.

00:16:23: Boah!

00:16:24: Das bedeutet, auf dem Konto bleiben bittere eintausend sechshundertsechsundzwanzig Euro.

00:16:31: Ein Trauerspiel.

00:16:32: Und hier haben wir echt den totalen Wahnsinn unseres Systems vorliegen!

00:16:37: Wir legen den Spitzenreiter der Klasse drei mit seinen zwei tausend zweihundertfünfunddreizig Euro, neben das Schlusslichterklasse sechs mit eintausend sechshundertsechsundzwanzig Euro.

00:16:47: Die Differenz liegt bei sechshundertneun Euro und vierundsiebzig Cent.

00:16:51: Jeden

00:16:51: einzelnen Monat.

00:16:52: JEDEN

00:16:53: MONAT Bei exakt demselben Bruttogehalt.

00:16:56: Das ist ein Unterschied von knapp siebenunddreißig Komma fünf Prozent beim Netto Einkommen.

00:17:01: Ja, das ist enorm!

00:17:04: Mit sechshundert Euro liest du dir doch locker einen Mittelklassewagen.

00:17:07: Gehst zweimal groß einkaufen und buchst den noch einen Wochenendtrip oben drauf.

00:17:11: Locker

00:17:12: Und dass alles nur durch eine andere Einordnung im Steuersystem.

00:17:16: Dieser Vergleich zeigt einfach extrem anschaulich was so eine progressive Besteuerung gepaart mit Freibeträgen anrichten kann.

00:17:23: Definitiv

00:17:24: Und wenn wir das mit dem großen Ganzen verbinden, da diese Hebelwirkung so enorm ist, konzentrieren wir uns am besten auf die Personengruppe, die diese Hebe am aktivsten steuern darf.

00:17:34: Die Verheirateten?

00:17:35: Genau!

00:17:36: Verheiralte Paare.

00:17:37: Klar.

00:17:38: Denn der Single im Klasse eins oder der Zweitjopper in Klasse sechs können ja nicht wirklich frei wählen.

00:17:44: Eben Aber Ehepaare sitzen abends am Küchentisch und brüten über genau diesen Zahlen.

00:17:49: Ja, das ist Strategie.

00:17:51: Sie

00:17:51: haben die Wahl zwischen zwei grundlegenden Strategien dem Vier-Viermodell und dem Drei-Fünf-Modell.

00:17:57: Wie funktioniert denn?

00:17:58: Option eins?

00:17:59: Das Vierviermodel.

00:18:00: Das Modell Steuerklasse vier – das ist quasi die Symmetrie.

00:18:04: Okay!

00:18:05: Das System geht hier davon aus dass beide arbeiten und auch beide in etwa ähnlich viel verdienen.

00:18:12: Der staatliche Grundfreibetrag also dieser Teil des Geldes der steuerfrei bleibt Der wird einfach völlig fair in der Mitte durchgeschnitten.

00:18:20: Okay, klingt logisch!

00:18:21: Jeder Partner bekommt exakt die Hälfte.

00:18:23: Wenn unser dreitausend Euro-Verdiener in Steuerklasse IV ist zahlt er exakt so viel Steuern wie ein Zingel.

00:18:29: Ah... Er landet also wieder bei unseren bekannten one-tausend neunhundert achtzig Euro und vierunddreißig Cent Netto?

00:18:36: Ok das klingt absolut nachvollziehbar und fair.

00:18:39: Niemand wird bevorteilt niemand benachteiligt jeder hat so seinen eigenen Schutzschild gegen die Steuer auf seiner Seite.

00:18:45: Richtig

00:18:45: Aber dann gibt es ja dieses zweite Modell, das in vielen Familien für richtig viel Zündstoff sorgt.

00:18:52: Ohja!

00:18:52: Das fünfundfünfzig-Modell.

00:18:55: Warum wählen Paare das überhaupt?

00:18:56: und wie funktioniert das mechanisch?

00:18:58: Paare wählen es oft wenn die Gehälter sehr weit auseinander liegen.

00:19:02: Und um die Mechanik zu verstehen greife ich jetzt mal deine Metapher mit dem Schutzschild auf.

00:19:06: Gerne

00:19:07: Stell dir vor, der Grundfreibetrag ist ein großer Regenschirm, der dein Gehalt vor dem Steuerregenschützt.

00:19:14: Im Fünf-Fünf-Modell nimmst du nun deinen Regenschirmen und gibst ihn komplett deinem Ehepartner.

00:19:19: Einfach so?

00:19:19: Ja an den Partnern, der deutlich mehr verdient als du!

00:19:22: Das heißt, der besserverdienende landet also in der Steuerklasse drei und hat jetzt plötzlich zwei Regenschürme.

00:19:29: Richtig formuliert – die steuerfreien Zonen werden einfach addiert.

00:19:32: Krass Die Lohnsteuer des Besserverdienenden sinkt dadurch drastisch und sein monatliches Netto steigt enorm

00:19:40: an.

00:19:40: Das ist dann unser Beispiel mit diesen zwei-tausend-zwarhundert-fünfunddreißig Euro.

00:19:44: Exakt!

00:19:45: Aber Moment, das bedeutet doch im Umkehrschluss dass der Partner mit dem geringeren Einkommen, der jetzt in die Steuerklasse fünf rutscht komplett ungeschützt im Regen steht?

00:19:56: Genau so ist es.

00:19:57: In der Steuerkasse Fünf ist der Freibetrag weg

00:20:01: Komplett weg?

00:20:02: Komplette.

00:20:03: Die Steuerprogression schlägt sofort und richtig hart zu.

00:20:07: Wenn jemand mit dreitausend Euro in diese Steuerklasse fünf rutscht, zahlt er absurde siebenhundertfünf Euro neunundvierzig Lohnsteuer.

00:20:16: Wow!

00:20:17: Und das Nettogehalt schrumpft dann auf mickrige eintausend sechshundertzweiundzwanzig Euro eins

00:20:22: zusammen.".

00:20:23: Das

00:20:23: muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen – du arbeitest Vollzeit?

00:20:27: Du hast denselben Stress wie alle anderen im Büro Und gehst am Ende mit ... Ja,

00:20:35: hartes Brot.

00:20:38: Na ja, historisch betrachtet stand dieses Modell aus den... Ah okay!

00:20:44: Wo

00:20:48: der Mann arbeiten geht.

00:20:49: Genau, ein Partner brachte Vollzeit das Geld nach Hause und der andere hat höchstens auf Minijobbasis mal etwas dazu verdient.

00:20:55: Verstehe Und wenn man am Ende des Jahres eine gemeinsame Steuererklärung macht dann gleicht sich das mathematisch für den Gesamthaushalt auch wieder komplett aus.

00:21:04: Ach so?

00:21:04: Ja die Jahressteuerlast des Paares bleibt am Ende identisch völlig egal ob die jetzt vier fünf oder drei fünf gewählt haben.

00:21:10: Okay Auf dem gemeinsam jahreskonto stimmt die Mathematik am Ende Aber psychologisch gesehen ist das doch eine absolute Vorkatastrophe.

00:21:18: Stell dir mal vor, du bist die Person in der Steuerklasse fünf!

00:21:22: Du gehst zu deinem Chef, du lieferst brillante Argumente, du streitest richtig für deinen Wert im Unternehmen und bekommst endlich eine saftige Gehaltserhöhung.

00:21:30: Ein toller Moment

00:21:32: Eigentlich schon Und wenn dann die Abrechnung kommt frisst der Staat durch diese fehlenden Freibeträge einfach fast alles davon auf.

00:21:39: Auf

00:21:40: deinem ganz persönlichen Konto kommt von deinem Erfolg so gut wie gar nichts an.

00:21:44: Und das wirft eine wichtige Frage auf, dass es nämlich genau der Punkt der Familienpolitiker und Ökonomen seit Jahren umtreibt.

00:21:52: Das glaube ich sofort!

00:21:54: Dieser psychologische Effekt ist extrem demotivierend.

00:21:57: Total.

00:21:58: Das System sendet jeden Monat über die Gehaltsabrechnung die unmissverständliche Botschaft Deine Arbeit lohnt sich weniger als die deines Partners da ja hier die wenigsten Freibeträge berücksichtigt werden.

00:22:10: Es formt also massiv unser Verhalten?

00:22:13: Absolut!

00:22:15: Die Wahl der Steuerklasse ist also weit mehr als nur ein bisschen Mathe am Jahresende.

00:22:20: Vielmehr.

00:22:21: Es ist eine psychologische Grundsatzentscheidung für ein Paar, legt man den Fokus auf das maximale gemeinsame Netto jeden Monat auch wenn einer der beiden aus seiner Abrechnung massiv

00:22:31: bluten muss?

00:22:33: oder wählt man lieber das IVIV-Modell bei dem beide den echten Wert ihrer Arbeit auf dem eigenen Konto sehen, selbst wenn man dem Staat unterjährig vielleicht einen kleinen zinslosen Kredit gibt, den man sich über die Steuererklärung erst im Folge ja zurückholen muss.

00:22:46: Wer diese Mechanismen kennt, der merkt einfach schnell dass es hier um den einen Wert und die Motivation geht.

00:22:53: Es zwingt Paare dazu sehr ehrlich darüber zu sprechen wie sie Einkommen-, Arbeit- und Unabhängigkeit in ihrer Beziehung eigentlich gewichten wollen!

00:23:01: Und damit schließt sich auch echt der Kreis zu unserer anfänglichen Frage.

00:23:05: Wir haben heute gesehen, dass dreitausend Euro Brutto nicht einfach nur eine statische Zahl auf so einem Blatt Papier sind.

00:23:10: Definitiv nicht!

00:23:12: Es ist eine extrem flulide wandelbare Masse.

00:23:15: Dieses Gehalt ist das Endprodukt eines Systems, das auf der einen Seite auf knallharter Solidarität aufbaut – erinnere dich an unser unkündbares threehundertsechzig-Euro-Sozial-Abo und auf der anderen Seite hochgradig individuelle Familienpolitik betreibt.

00:23:30: Durch die Hintertür der Steuerklassen?

00:23:32: Ganz genau!

00:23:33: Vom Single, der knapp unter die zweitausender Marke rutscht über den bestraften Zweitschopper bis hin zum steuerlich perfektionierten Ehepartner Es ist auf dem Papier immer dasselbe Brutto aber auf dem Konto landet am Ende ein völlig anderes Leben.

00:23:48: es

00:23:49: zeigt einfach eindrucksvoll das Unwissenheit hier keine Option sein darf.

00:23:54: Nur wer wirklich versteht, wie die Freibeträge wandern und warum die Sozialabgaben star sind kann fundierte finanzielle Entscheidungen treffen.

00:24:01: Für

00:24:01: die Karriere und fürs Privatleben.

00:24:03: Ganz genau!

00:24:04: Bevor wir dich für heute entlassen möchte ich dir noch einen letzten vielleicht etwas unbequem Gedanken mit auf den Weg geben.

00:24:09: Wenn du all das heute gehört hast Wie stark ein Trauschein oder die bloße Verteilung der Gehälter innerhalb einer Ehe Ein Unterschied von hunderten Euros jeden einzelnen Monat machen kann.

00:24:20: Ja.

00:24:21: Fing mal darüber nach.

00:24:22: Steuert der Staat durch diese Steuerklassen eigentlich ganz subtil mit, wie wir leben, wen wir lieben und nach welchem Modell wir arbeiten?

00:24:31: Ist die Steuerklasse in Wahrheit der heimliche Regisseur unserer Lebensentwürfe?

00:24:35: Behalte diese Frage einfach mal im Hinterkopf wenn du das nächste Mal dein Online-Banking öffnest.

00:24:40: Bis zur nächsten Ausgabe deines Karrieremagazin Podcasts hier auf stellenmarkt.de.

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