Gehaltsfaktor Abschluss: Welche Qualifikation sich finanziell wirklich auszahlt
Shownotes
Wie stark bestimmt der eigene Bildungsabschluss das Einkommen? In dieser Episode des Karrieremagazin Podcasts analysieren wir aktuelle Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft.
Wir beleuchten, warum ein fundierter Abschluss die entscheidende Basis für ein auskömmliches Gehalt bildet und vergleichen die finanziellen Perspektiven unterschiedlicher Bildungswege. Dabei stoßen wir auf bemerkenswerte Ergebnisse: Wir verraten dir, welche traditionelle Weiterbildung auf der Gehaltsskala unerwartet weit oben rangiert und inwiefern Akademiker mit einem Bachelor-Abschluss im direkten Vergleich dazu abschneiden.
Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf die Personen am absoluten oberen Ende der Gehaltsskala und diskutieren weitere, entscheidende Rahmenbedingungen abseits des Zeugnisses, die das monatliche Einkommen maßgeblich beeinflussen.
Hör jetzt rein, um wertvolle Einblicke für deine nächste Gehaltsverhandlung zu gewinnen und deinen Marktwert fundiert einschätzen zu können!
Transkript anzeigen
00:00:08: Willkommen zu einer neuen Ausgabe des Karrieremagazin-Podcasts auf stellenmarkt.de.
00:00:14: Also was wäre, wenn ich dir jetzt sage dass dieser uralte Ratschlag du musst unbedingt studieren um später mal gutes Geld zu verdienen?
00:00:23: Dass der mathematisch gesehen mittlerweile schlichtweg überholt ist?
00:00:27: Ja das ist tatsächlich eine harte Pille für viele aber die Daten sind da ziemlich eindeutig.
00:00:32: Genau, wir knüpfen uns heute nämlich einen riesigen Berg an Gehaltsdaten vor und filtern für dich heraus was auf dem deutschen Arbeitsmarkt eigentlich wirklich zählt.
00:00:42: Willkommen zu diesem Diet-Dive!
00:00:44: Hallo Wir schauen uns heute das Thema an dass früher oder später naja jede Karriere Entscheidung massiv beeinflusst Dein Gehalzzettel Und vor allem die harte Realität wie stark dein formaler Bildungsabschluss eigentlich festlegt Was am Ende des Monats wirklich auf deinem Konto landet.
00:01:01: Und wichtig ist, wir verlassen uns da heute auf keinerlei Bauchgefühl oder irgendwelche Kaffeeküchenmüten die man so hört.
00:01:07: Definitiv nicht!
00:01:09: Nein.
00:01:09: Wir haben hier die wirklich frischen Zahlen des Informationsdienstes des Instituts der deutschen Wirtschaft, also kurz IW aus dem Jahr im Jahr-Zweißen-Sechsundzwanzig auf dem Tisch und die wiederum werden die hochdetaillierten Erhebungen des Statistischen Bundesamts für das Jahr-zwei-tausendfünfundzwanzigeraus.
00:01:27: Das
00:01:28: heißt wir blicken hier auf die aktuellsten und präzisesten Daten, die es zum deutschen Gehaltsgefüge überhaupt gibt!
00:01:34: Richtig?
00:01:35: Besser wird die Datenlage nicht.
00:01:37: Sehr cool!
00:01:38: Und die Mission für dich als Zuhörer ist heute ziemlich simpel Wir entschlüsseln, welcher Weg sich wirklich lohnt?
00:01:45: Lass uns deinen eigenen Bildungsweg heute mal wie so ein gigantisches Investment-Portfolio betrachten.
00:01:52: Schöner Vergleich.
00:01:53: Weil wir stecken ja Jahre unseres Lebens in Schulen, Hörsäle oder Ausbildungsbetriebe.
00:01:59: Das kostet Schweiß, Tränen und vor allem wahnsinnig viel Zeit.
00:02:03: Zeit, an der man ja meistens auch extrem wenig bis gar kein Geld verdient.
00:02:07: Exakt!
00:02:08: Und was wir heute berechnen ist quasi der eigentliche Return on Investment also der ROI für diese investierte Lebenszeit, wo lauern da die größten Renditen und wo verbergen sich vielleicht auch die echten Überraschungen?
00:02:21: Um diese Rendite wirklich bewerten zu können müssen wir uns glaube ich zuerst mal das Spielfeld ansehen.
00:02:25: Wir brauchen so eine Art Leitplanken der Statistik um überhaupt ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen.
00:02:31: Okay!
00:02:31: Wo fangen wir da an?
00:02:32: Wir fangen am besten an den beiden absoluten Enden des Spektrums an.
00:02:36: also Die Basislinie in Deutschland bilden Beschäftigte die komplett ohne Berufsabschluss arbeiten
00:02:40: Also Leute die wirklich nur einen Schulabschluß oder nicht einmal denen haben.
00:02:44: Genau
00:02:44: Und laut den Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft liegt deren durchschnittliches Brutto-Gehalt bei ¥三 Tausend vierhundertzweiunddreißig Euro im Monat.
00:02:51: Okay, dreitausend vierhundertzeihunddreißig Euro brutto!
00:02:56: Das ist jetzt unser Startpunkt im Portfolio und wenn wir jetzt direkt an das andere – das absolute obere Ende der Skala springen – wo landen wir da?
00:03:05: Am obersten Ende finden wir die Beschäftigten mit einer Promotion oder sogar eine Habilitation.
00:03:11: Also, die echten Hardcore-Akademiker!
00:03:13: Richtig!
00:03:15: Wer diesen akademischen Weg wirklich bis zum bitteren Ende durchzieht kommt auf durchschnittlich neuntausend vierhundertsechsund siebzig Euro monatlich.
00:03:23: Wow – ja
00:03:24: Das ist fast das Dreifache unserer Basislinie.
00:03:27: Moment!
00:03:28: Fast neun tausend fünfhundert Euro.
00:03:31: Da muss ich jetzt aber echt mal kurz skeptisch einhaken, weil das klingt für mich extrem hoch.
00:03:36: Und ehrlich gesagt auch ein bisschen weltfremd!
00:03:38: Wieso das?
00:03:39: Ich kenne einige Leute die nach dem Master an der Uni geblieben sind um ihren Doktortitel zu machen und die hangeln sich als Postdocs von einem befristeten Vertrag zum nächsten.
00:03:49: Ja, dass ist leider oft die Realität in der Wissenschaft.
00:03:52: Genau, sie haben oft nur so halbe Stellen und Nagen gemessen an ihrer extrem hohen Qualifikation teilweise fast am Hungertuch.
00:04:01: Woher kommt also diese gigantische Durchschnittszahl?
00:04:04: Zieht da irgendwie eine ganz kleine Gruppe den Schnitt so massiv nach oben?
00:04:08: Du triffst da absolut den Nagel auf dem Kopf.
00:04:10: Wenn wir einen Durchschnitt von diesem Neuntausend Vierhundertsechsund Siebzig Euro sehen, müssen wir die Mechanik dahinter verstehen!
00:04:17: Okay...
00:04:18: Der klassische wissenschaftliche Mitarbeiter an der Universität, den du da gerade beschrieben hast, der zieht diesen Durchsnitt sogar noch spürbar nach unten.
00:04:24: Krass das heißt ...die anderen verdienen noch viel mehr.
00:04:27: Exakt
00:04:29: Was den Wert in diese stratospherischen Höhen treibt, ist der Wechsel in die freie Wirtschaft.
00:04:35: Ah!
00:04:36: Ok.
00:04:37: Stell dir mal so ein Chemiker vor, der vier Jahre lang an einem hochkomplexen Problem geforscht hat.
00:04:44: Wenn Bayer oder eine große Unternehmensberatung diesen Menschen dann einstellt, dann kaufen sie ja nicht nur chemisches Fachwissen.
00:04:52: Was kaufen Sie denn wenn nicht das Fach wissen?
00:04:55: Sie kaufen nachgewiesene Frustrationstoleranz.
00:04:58: Okay, das ergibt Sinn.
00:05:00: Ja und vor allem die bewiesene Fähigkeit völlig ungelöste superkomplexe Probleme völlig eigenständig zu knacken!
00:05:07: In der Pharma-Branche im Ingenieurswesen oder auch in Strategieberatungen ist der Doktortitel oft quasi die inoffizielle Eintrittskarte für das Topmanagement.
00:05:17: Das heißt dass es weniger eine Fachausbildung als mehr so ein Stress testet?
00:05:21: Irgendwie schon ja... Der Markt bezahlt hierfür extreme Seltenheit und für das sogenannte DeRisking also Die Risikominimierung auf Führungsebene.
00:05:31: Jemand, der eine Promotion durchgestanden hat, der signalisiert dem Arbeitsmarkt extrem laut das er massive Verantwortung tragen kann.
00:05:38: Verstehe!
00:05:39: Und genau diese Gehälter in der Industrie sind es dann die den Gesamtschnitt aller Promovierten auf fast neuntausend fünfhundert Euro heben.
00:05:46: Ah, das macht es natürlich klarer... Das Diplom an der Wand ist also in der Praxis gar nicht unbedingt für die Forschung gedacht, sondern dient als Filter für die Konzernvorstände um einfach die belastbarsten Problemlöser zu identifizieren.
00:05:59: Genau so kann man das sagen!
00:06:01: Okay...das erklärt jetzt diese Extreme.
00:06:04: aber diese Extreme also ohne Abschluss auf der einen Seite und Doktortitel auf der anderen?
00:06:09: Das sind eben genau das ne Ausreißer.
00:06:12: Absolut!
00:06:13: Das betrifft nur ein kleinen Prozentsatz.
00:06:15: Ja
00:06:15: Die absolute Mehrheit von uns bewegt sich ja irgendwo dazwischen.
00:06:19: Das eigentliche Schlachtfeld für Gehälter ist diese breite Mittelschicht und die Daten, die wir für diesen Bereich haben, die dekonstruieren jetzt wirklich eine Annahme, die uns seit Jahrzehnten eingetrichtert wird.
00:06:32: Du spielst auf das Rennen zwischen dem akademischen und den beruflichen Weg an richtig?
00:06:36: Ganz genau!
00:06:37: Lass uns diese mittlere Ebene mal im Detail ansehen.
00:06:41: Also direkt hinter den Promovierten positionieren sich die Master, Diplom- oder Staatsexamen Abschlüsse.
00:06:47: Diese ganz klassischen Uniabschlüssen bringen beachtliche siebentausend neunzehn Euro im
00:06:52: Monat.
00:06:53: Okay das ist ordentlich.
00:06:54: und wo liegt denn normaler Ausbildung?
00:06:56: Ein etablierter klassischer Berufsabschluß also so die typische dreijährige Lehre landet bei durchschnittlich viertausend einhundertundzwanzig Euro.
00:07:05: So weit so erwartbar würde ich sagen.
00:07:08: Aber jetzt kommt der Punkt in den Daten, der mich beim Lesen wirklich umgehauen hat.
00:07:13: Lass uns mal auf den Bachelor schauen!
00:07:15: Ja da wird es jetzt richtig spannend.
00:07:17: Wir reden hier bei dem Bachelor von drei bis vier Jahren Vollzeitstudium und er bringt im Schnitt fünftausend zweihundertneunundachtzig Euro pro Monat ein.
00:07:27: aber jetzt kommt's Ein Meister-Techniker oder Fachschulabschluss bringt im schnitt fünf tausend vierhundertfünf Euro pro monat
00:07:36: Richtig.
00:07:37: Meister und Techniker schlagen also den Bachelor!
00:07:40: Sie liegen finanziell echter vor, das ist doch verrückt?
00:07:44: Das ist eine Wahnsinns-Dynamik, die wir uns ganz genau ansehen müssen.
00:07:48: Weil sie dem Mantra studieren garantiert immer das höchste Einkommen total widerspricht.
00:07:53: Total!
00:07:53: Aber es gibt handfeste, ganz operative Gründe warum ein Unternehmen einem Meister im Schnitt mehr zahlt als einen Bachelorabsolventen.
00:08:00: Bleiben wir mal bei unserer Investmentmetapher vom Anfang.
00:08:03: Für mich sieht's so aus Der Bachelor is wie so ne Grossstock Also ne Wachstumsaktie.
00:08:09: Du kaufst sie in der Hoffnung, dass Sie in der Zukunft massiv an Wert gewinnt.
00:08:14: Sprich – Der Bachelor macht später noch den Master oder klettert durch Beförderungen langsam nach oben!
00:08:20: Der Meister hingegen ist eher wie eine Dividenden-Aktie mit extrem hoher Rendite.
00:08:25: Die schüttet quasi ab dem allerersten Tag Massivcashflow aus.
00:08:32: Aber
00:08:32: warum?
00:08:33: Warum ist die Wirtschaft bereit diese Dividende sofort zu
00:08:36: zahlen?!
00:08:37: Weil der Meister sofort operative Engpässe löst und rechtliche Haftung übernimmt.
00:08:42: Das ist ja alles entscheidende Mechanismus hier!
00:08:45: Haftungen?
00:08:46: Wie meinst du
00:08:46: das?!
00:08:47: Stell dir mal eine typische Baustelle oder einen Industriebetrieb vor – ein dreihundzwanzigjähriger Bachelor-Absolvent bringt ganz aktuelles theoretisches Wissen mit, das ist super.
00:08:56: Klar Aber in seiner ersten Woche im Unternehmen braucht er Einarbeitung.
00:09:01: Er muss die ganzen internen Prozesse lernen.
00:09:04: Er braucht Mentoring.
00:09:06: Ein fünfundzwanzigjähriger Meister, der vorher schon Jahre als Geselle gearbeitet hat.
00:09:11: Der kommt in den Betrieb und bringt wirklich sofort PS auf die Straße!
00:09:15: Ah ok…der kennt die Praxis also schon in und auswendig?
00:09:19: Viel
00:09:19: mehr als das – es geht um echte rechtliche Befugnisse.
00:09:23: Ein Handwerksmeister hat oft die Erlaubnis Hochspannungsanlagen abzunehmen oder Gasinstallationen freizugeben.
00:09:30: Oh krass …und das darf der Bachelor
00:09:32: nicht?!
00:09:33: Rein rechtlich darf ein Bachelor das oft gar nicht.
00:09:35: Nein!
00:09:36: Der Meister trägt die juristische Verantwortung für die Sicherheit, er darf offiziell Lehrlinge ausbilden und er übernimmt sofort am ersten Tag die Leitung über einen Team von fünf oder zehn Leuten.
00:09:46: Das heißt ich bezahle als Firma nicht nur für das was der bauen kann sondern für den Stempel den der draufdrücken darf.
00:09:52: Exakt Unternehmen bezahlen diese fünftausend vierhundertfünf Euro im Monat nicht einfach nur für handwerkliches Geschick.
00:09:59: Sie bezahlen für juristische Absicherung, für so fatige Einsatzbereitschaft und für das direkte Führen von Personal.
00:10:06: Wahnsinn!
00:10:07: Der Bachelor ist auf dem Arbeitsmarkt ein Versprechen für die Zukunft.
00:10:10: Der Meister ist die sofortige, voll funktionierende Lösung für das hier und jetzt.
00:10:14: Das ist wirklich ein unglaublicher Paradigmenwechsel finde ich.
00:10:17: Die Unternehmen zahlen also eine Premiumgebühr für Leute, die den Betrieb rechtlich und praktisch sofort absichern.
00:10:25: Genau
00:10:25: Wenn wir das jetzt verstanden haben müssen wir uns aber glaube ich noch ne weitere Ebene ansehen.
00:10:29: Bisher tun wir ja so als würde man mit einem Abschluss X einfach in ein Unternehmen spazieren und automatisch Gehalt Y bekommen.
00:10:37: Das wäre schön, ja aber so einfach ist es nicht!
00:10:40: Richtig
00:10:41: das ist nur die halbe Wahrheit.
00:10:43: In unseren Quellen des IW wird ja extrem deutlich dass der Abschluss allein noch keinen Millionär macht.
00:10:49: Der Abschluss ist quasi das Fundament auf dem das Haus gebaut wird.
00:10:53: Aber wie groß das Haus am Ende tatsächlich wird?
00:10:55: Das bestimmten makroökonomische Faktoren.
00:10:57: Okay welche sind
00:10:58: das?!
00:10:59: Die Daten betonen hier vier massive Stellschraben Berufserfahrung, die Region, die Branche und die Unternehmensgröße.
00:11:07: Wenn wir diese Faktoren ignorieren, verstehen wir das Gesamtbild des deutschen Arbeitsmarktes überhaupt nicht?
00:11:12: Gut!
00:11:12: Lass uns dieses Gesamtbild mal mit dem Medien verankern damit wir wissen wo wir stehen.
00:11:17: Der Durchschnitt wird ja oft von den superreichen total verfälscht.
00:11:21: Absolut der durchschnitt ist er oft trügerisch
00:11:24: Genau...der Median hingegen ist die exakte Mitte.
00:11:27: Die eine Hälfte der Vollzeitbeschäftigten verdient mehr, die andere Hälfe verdient weniger.
00:11:33: Wo genau lag diese magische Mitte im Jahr zwanzig-fünfundzwanzig?
00:11:37: Laut Statistischem Bundesamt lag der mittlere Bruttoyaresverdienst bei exakt vierundfünfzigtausendsechshundert sechs Euro.
00:11:45: Okay!
00:11:45: Wichtig dabei – das inkludiert auch Sonderzahlungen wie Urlaubs oder Weihnachtsgeld.
00:11:51: Wenn wir das jetzt mal auf den Monat runterbrechen, landen wir bei viertausenden fünf Euro.
00:11:56: Das ist das absolute Gravitationszentrum der deutschen Gehälter.
00:12:00: Okay, viertausendfünf Euro ist also die Mitte!
00:12:04: Aber wir haben ja vorhin über die enormen Sprünge geredet nach oben und unten.
00:12:09: Wie extrem geht denn diese Schere auf wenn wir uns die Ränder dieser Verteilung ansehen?
00:12:14: Äh, extrem – sehr extrem.
00:12:17: Die unteren zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland gehen mit dreiunddreißigtausenden achthundert-achtundzwanzig Euro oder sogar weniger im Jahr nach Hause.
00:12:25: Das ist nicht viel, wenn man die Inflation bedenkt.
00:12:27: Gar nicht viel!
00:12:28: Und auf der anderen Seite durchbrechen die oberen zehn Prozent die magische Grenze von hunderttausend siebenhundertneunzehn Euro.
00:12:35: Okay über hundert tausend Euro?
00:12:37: Genau.
00:12:38: und wer noch weiter nach oben schaut also ins absolute Top ein Prozent der Vollzeit beschäftigten, der sieht Jahresgehälter ab.
00:12:45: zweihundert neunzehntausend einhundertzehn euro aufwärts.
00:12:49: Puh, da muss man erst mal schlucken.
00:12:51: Über zweihundert neunzehntausend Euro für das oberste Prozent?
00:12:56: Wie spielen denn jetzt diese vier Faktoren also Erfahrung, Region, Branche und Firmengröße da überhaupt mit rein?
00:13:03: Kannst du uns diesen Multiplikator-Effekt mal greifbar machen?
00:13:06: Klar!
00:13:07: Sehr gern!
00:13:08: Wir pushen diese Faktor jemandem von dieser Mitte in die Top zehn Prozent.
00:13:13: Lass uns damals ein ganz konkretes Szenario konstruieren um diesem Hebel zu verstehen.
00:13:18: Nehmen wir an, wir haben zwei Personen.
00:13:19: Person A hat einen exzellenten Masterabschluss in BWL.
00:13:24: Top Abschluss?
00:13:24: Genau.
00:13:25: Fängt aber bei einer kleinen familiengeführten Marketingagentur mit vielleicht zehn Mitarbeitern im ländlichen Mecklenburg-Vorpommern an.
00:13:33: Okay!
00:13:34: Person B hingegen hat nur einen Bachelorin Maschinenbau fängt aber be einem globalen Automobilkonzern mit fünfzigtausend Mitarbeiters in München an.
00:13:43: Ah, das ist ein super interessanter Vergleich.
00:13:46: Person A hat ja den formal höheren Abschluss nämlich den Master.
00:13:49: Richtig Aber Person B hat die Multiplikatoren auf ihrer Seite.
00:13:53: München ist eine absolute Hochpreisregion in der Gehälter ohnehin viel höher angesetzt werden müssen einfach um die Lebenshaltungskosten abzufedern.
00:14:00: Klar!
00:14:01: Die Mieten dort sind ja Wahnsinn Eben.
00:14:03: Dann gehört die Automobilbranche traditionell zu den zahlungskräftigsten Sektoren in ganz Deutschland und die Unternehmensgröße bedeutet dass es standardisierte Tarife gibt oft gepaart mit massiven Gewinnbeteiligungen und Boni.
00:14:15: Stimmt,
00:14:16: das heißt obwohl Person A den Master hat zieht Person B vorbei?
00:14:20: Absolut!
00:14:21: Obwohl Person A Den Formal-Göhrenabschluss hat wird Person B durch die Kombination aus Regionen Konzernstruktur und Branche am Ende des Jahres mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein deutlich höheres Gehalt nach Hause tragen.
00:14:35: Wow Um in diese Top zehn Prozent also über hunderttausend Euro vorzustoßen
00:14:49: Das fügt die Puzzleteile wirklich zusammen.
00:14:51: Wir haben also die Basis, den Abschluss und die Multiplikatoren wie Branche-und Unternehmensgröße.
00:14:57: Wenn wir all das jetzt mal synthetisieren dann drängt sich mir deine Schlussfolgerung auf, die das ganze Thema in ein etwas anderes Licht rückt.
00:15:06: Okay was meinst du genau?
00:15:08: Na, denk mal an die Zahlen zurück, die wir besprochen haben.
00:15:11: Der Medien – also die absolute Mitte aller Einkommen in Deutschland – liegt bei viertausend fünfhundertfünf Euro im Monat.
00:15:18: Wir wissen aber gleichzeitig, dass der Bachelor im Schnitt bei fünftausends zweihundertneunundachtzig Euro liegt und der Meister sogar bei über viertausendvierhundert Euro!
00:15:29: Ja...
00:15:29: Und selbst die ganz klassische Berufsausbildung kratzt ja an der Viertausend Einhundert-Euro-Marke.
00:15:34: Das bedeutet doch rein rechnerisch, dass die untere Hälfte der Einkommensverteilung und vor allem diese unteren zehn Prozent, die unter dreiunddreißig tausend Achthundert Euro im Jahr liegen, extrem stark von Menschen dominiert wird, die entweder gar keinen Berufsabschluss haben oder in so Sektoren ohne jegliche Weiterbildungen festhängen?
00:15:52: Du beschreibst dir exakt die Risikoverteilung auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
00:15:56: Ganz genau!
00:15:56: Das
00:15:56: heißt, ein Abschluss egal ob das jetzt Meister, Bachelor oder Master ist... Der ist gar nicht unbedingt nur die Rakete, die uns nach ganz oben schießt.
00:16:04: Er is primär ein massives Sicherheitsnetz.
00:16:07: Zementiert formale Bildungen also nicht nur die Decke nach oben sondern zieht sie vor allem einen soliden Betonboden ein der uns davor schützt in die untersten Gehaltsklassen komplett abzurutschen.
00:16:20: Wir betrachten Bildung ja immer als Mittel zum Reichtum.
00:16:24: Aber ist sie in Wahrheit nicht einfach die effizienteste Armutsversicherung, die wir überhaupt haben?
00:16:30: Das ist eine hervorragende und extrem treffende Synthese.
00:16:35: Wirklich?!
00:16:36: Genau das zeigen diese Daten des Statistischen Bundesamts in aller Deutlichkeit.
00:16:40: Krass!
00:16:41: Wer kein Abschluss hat, ist den Marktkräften fast schutzlos ausgeliefert.
00:16:45: Du bist leichter ersetzbar, du hast quasi keine Verhandlungsmacht Und das drückt das Gehalt einfach gnadenlos in Richtung des gesetzlichen Mindestlohns.
00:16:53: Was ja auch logisch ist, wenn jeder deinen Job machen kann?
00:16:57: Eben!
00:16:58: Aber sobald du ein Zertifikat erwirbst – egal ob du eine Ausbildung abschließt, dein Meister machst oder studierst – signalisierst du eine Schwelle an Kompetenz die dich aus diesem großen Pool der leicht Ersetzbaren heraus holt.
00:17:12: Der Bildungsabschluss zieht genau diesen Betonboden ein, von dem du sprichst.
00:17:16: Er katapultiert dich statistisch gesehen fast automatisch in die Nähe des Medians oder sogar deutlich darüber hinaus.
00:17:22: Okay?
00:17:23: Das Fielen von Qualifikation ist in der heutigen Wirtschaft also das mit Abstand größter Einzelrisiko für ein dauerhaft niedriges Einkommen.
00:17:30: Das ist wirklich eine faszinierende Perspektive finde ich!
00:17:33: Es holt diese ganze Diskussion aus dieser ja abstrakten Welt der Millionen gehälter zurück in die Realität der Existenzsicherung.
00:17:41: Lass mich das für dich als Zuhörger mal zusammenfassen.
00:17:44: Deine formale Bildung bestimmt in Deutschland nach wie vor ganz essentiell den Startpunkt und die maximale Flughöhe deines Einkommens.
00:17:52: Richtig!
00:17:53: Wer extrem hoch hinaus will, wer fast das Dreifache des Basislons verdienen möchte – für den ist die Promotion oft das Ticket in die Vorstandsetagen der freien Wirtschaft.
00:18:02: Aber…
00:18:03: Und das ist wichtig ….
00:18:04: Der lange akademische Weg ist eben nicht der einzige Schlüssel zum finanziellen Erfolg.
00:18:09: Absolut nicht.
00:18:10: Die Zahlen des IW beweisen eindrucksvoll, dass Meister und Techniker durch ihre sofortige operative Einsetzbarkeit und ihre Übernahme von Verantwortung Bachelor-Absolventen beim Gehalt einfach mal auf der Überholspur hinter sich lassen.
00:18:38: Wir sehen ja heute schon schwarz auf weiß, dass angewandte technische Kompetenz also der Meisterbrief den theoretischen Bachelor finanziell schlägt.
00:18:47: Worauf willst du hinaus?
00:18:48: Denk einfach mal an die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren!
00:18:53: Wir steuern auf eine Zukunft zu in der reines theoretisches Wissen – das Sammeln von Daten und das Schreiben von Standardanalysen immer mehr von Algorithmen übernommen werden kann.
00:19:05: Stimmt da passiert gerade wahnsinnig viel….
00:19:07: Viele Aufgaben von Einsteigerakademikern könnten durch KI extrem beschleunigt oder sogar ganz automatisiert werden.
00:19:15: Aber eine komplexe Hochspannungsanlage rechtlich sicher abzunehmen, eine Baustelle im Chaos des echten Lebens zu koordinieren oder eine spezialisierte Industriemaschine physisch zu reparieren – das kann keine KI!
00:19:29: Da braucht man echte Hände.
00:19:31: Genau.
00:19:32: Wenn theoretisches Wissen zunehmend inflationär und billig wird Zwingt uns das dann nicht dazu, unseren gesellschaftlichen Drang in Richtung Universität völlig neu zu bewerten?
00:19:43: Werden nicht genau diese angewandten hochqualifizierten Fachkenntnisse des Handwerks und der Technik in Zukunft zur ultimative Premium-Währung auf dem Arbeitsmarkt.
00:19:53: Wow!
00:19:54: Eine extrem spannende Frage die wir dir heute mal mit in den Tag geben wollen.
00:19:58: Vielleicht ist das echte Handwerk, gepaart mit tiefgehender technologischer Expertise ja am Ende der ultimative krisensichere Blue Chip im Karriereportfolio.
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